Mein angekündigter letzter Beitrag war schon längst überfällig. Oft war ich kurz davor, mich daran zu setzen und endlich etwas zu tippen, leider hatte ich dann doch regelmäßig Wichtigeres um die Ohren oder schlichtweg keine Lust.
Meine letzten Tage waren wunschgemäß stressig: Der Mietvertrag wurde unterschrieben und meine Mutter setzte ihren Namenszug unter eine Bürgschaft, die nichtig ist, seit die Kaution auf dem Konto meiner Vermieterin ist.
Mein alter Vermieter ist partout nicht erreichbar. Ich versuche ihn anzurufen, spreche ihm auf den Anrufbeantworter, schicke ihm SMS und schließlich ein Einschreiben, damit ich zumindest formal schon gekündigt habe. Irgendwann meldet er sich dann doch: Das ist kein Problem, wenn meine Mitbewohnerin und eine Freundin von ihr die Wohnung übernehmen, das soll aber alles über seine Frau laufen, die in Hamburg vor Ort ist.
Nachdem der Vertrag unterschrieben ist, spiele ich der nervigen Nachbarin, die sich immer in einer Art und Weise über meine Musik beschwert hat, dass meine Toleranz gleich null war, einen „lustigen Abschiedsstreich“: Ich lasse sie per Anwalt auffordern, ihre Waschmaschine aus dem Flur zu räumen, damit ich Möbel schleppen kann. Meine Rechtsschutz zahlt für den Spaß sogar noch 39 Euro plus Umsatzsteuer.
Die Vorbereitung
Bereits am 21. Mai wird die Wohnung übergeben. Da ich mich noch um Küche und Fußboden kümmern muss und als Anwaltsgehilfe insoweit zwei linke Hände habe, nehme ich mir den Tag frei, um mich nochmals in Ruhe nach den günstigsten Angeboten umzusehen. Pantry brauche ich gebraucht, die Neupreise sind bei mir momentan nicht drin. Dafür macht es fußbodentechnisch keinen Unterschied, ob ich bei eBay mit Speditionskosten oder direkt im Baumarkt kaufe. Letztlich miete ich mir Freitag Nachmittag spontan einen Transporter, mache die Wohnungsübergabe, fahre zum Baumarkt, hole Laminat und bringe das in die Wohnung.
Einen Parkplatz im Schwanenwik zu finden ist unmöglich. Erst parke ich 250 Meter weiter. Nachdem ich zwei Pakete Laminat geschleppt habe, beschließe ich, mich direkt vor die Garageneinfahrt zu stellen in der Hoffnung, dass nicht ausgerechnet jetzt jemand raus muss.
Ich habe noch nicht einmal das erste Paket ausgeladen, als schon einer aus der Garage will. Künstlerpech! „Ach, parken Sie doch einfach in zweiter Reihe! Die Straße ist breit genug, das stört hier keinen, wirklich“, meint der Nachbar, dem ich im Weg stehe. Gesagt, getan. Es funktioniert und in kürzester Zeit habe ich das ganze Laminat in die Wohnung verfrachtet. Da ich den Transporter die ganze Nacht habe, fahre ich noch eine Tour Möbel durch die Gegend. Ein paar Schränkchen, ein paar Decken und einen Sitzsack für ein provisorisches Lager und meinen Kaffeeautomat. Home is where my coffee machinery is – ich bin umgezogen!
Der Umzug
Ich beschließe, den richtigen Umzug am kommenden Freitag durchzuziehen. Samstag wäre mir lieber, aber dann müsste ich den Transporter 24 Stunden mieten, nur über Nacht ist es günstiger. Ich bin ungeduldig, daher packe ich nicht nur in der alten Wohnung schon alles zusammen, sondern fahre jeden Tag 1-2 Touren auf dem Fahrrad in die neue Wohnung. Sieht bestimmt lustig aus – ein Radfahrer mit einer Umzugskiste auf dem Gepäckträger und einem vollgepackten Riesen-Rucksack. Letztlich sind alle meine Klamotten schon fein säuberlich in dem Einbauschrank in der Wand verstaut, noch bevor ich den richtigen Umzug angehe. Mein Fahrrad ist dadurch dermaßen heruntergekommen, dass ich wohl nicht umhin komme, mich nach einem neuen umzusehen, sobald die umzugsinduzierten Mehrkosten wieder herunter gehen.
Freitag dann Tag X: Ich schaffe es gerade so, punkt 18:00 Uhr bei der Arbeit rauszukommen, um noch rechtzeitig vor Ladenschluss bei Star Car zu sein. Bei den großen Möbelstücken hilft mir ein Nachbar tragen, den Rest haue ich mehr oder weniger konzeptlos in den Wagen. Ich muss zwei Mal fahren, dafür ist der Vito doch zu klein. Letztlich komme ich erst um kurz nach 22:00 Uhr das erste Mal im Schwanenwik an. Wie ich es in nicht einmal 30 Minuten schaffe, den ganzen Kram nach oben zu bringen, ohne das unglaublich ruhige Haus aufzuwecken, weiß ich selber nicht. Wieder im Billhorner Mühlenweg angekommen, muss ich allerdings erst einmal Küchensachen packen, bevor es überhaupt weiter gehen kann. Letztlich bin ich erst um 2:30 Uhr fertig umgezogen.
Keine zwei Tage später ist die letzte Kiste ausgepackt. Da ich immer noch keine Küche habe, ist es trotzdem noch sehr provisorisch. Hängeschränke habe ich genauso wenig wie einen Bohrer, sodass ich in die Küche auch nicht wirklich etwas einbauen kann. Die Pantry bei eBay, auf die ich spekuliert habe, geht doch für über 200 Euro raus, sodass ich beschließe, alles in Einzelteilen zusammen zu kaufen. Backofen 10 Euro, Kochplatten 20 Euro, Kühlschrank 25 Euro. Bloß eine Spüle finde ich nicht ohne Weiteres bei eBay. Da interveniert meine Mutter: In ihrem Heizungskeller stehe so eine Art Spüle, sie wolle sich das mal angucken. Es ist eine komplette Pantry, die laut einer Nachbarin seit über 11 Jahren dort steht. Die Elektronik ist unbrauchbar gemacht, das Teil ist ziemlich gammelig, aber es hat eine Spüle mit Armaturen. Sie kommt mit dem Auto vorbei und bringt die Pantry mit, gemeinsam holen wir dann den Kühlschrank.
Im Keller der alten Wohnung muss ich noch die Kartons im Keller entsorgen. Ich reiße sie alle so klein wie möglich und packe sie in Müllbeutel. Eine sehr müßige Tätigkeit, indes gut für die Unterarmmuskulatur. Ich komme wieder nach Hause in den Schwanenwik, schließe mein Fahrrad an – zum letzten Mal. Als ich später noch einkaufen will, geht das Schloss nicht mehr auf, irgendwas hat sich da verhakt. Es ist ein dickes Sicherheitsschloss und das Fahrrad ist eh durch, sodass ich beschließe, mir doch sofort ein Neues zu kaufen. Ich finde auch prompt bei eBay eins für gerade mal 25 Euro, das ich ein paar Tage später in Berne abhole.
Seit einem halben Monat wohne ich jetzt in der „Ente“. Ente deshalb, weil es im Schwanenwik keine Schwäne gibt, sondern nur Enten, sodass der Straßenname irreführend ist. Letztlich ist bereits das eine Ente und in Anbetracht, dass ich meine alte Anschrift, den Billhorner Mühlenweg, mit BMW abgekürzt habe, ist es letztlich auch ein Umzug vom BMW in die Ente: Kleiner zwar und mit weniger Ausstattung, aber gleichwohl stilvoller.
Das Haus ist sehr ruhig, einzig aus dem benachbarten Garten dringt öfters mal Kinderlärm durch die Nachbarschaft, aber Kinder dürfen ja laut sein. Da alle Wohnungen 1-Zimmer-Apartments sind, setzen sich meine Nachbarn aus jungen Leuten, wenig älter als ich, und relativ alten Leuten zusammen. Singles halt, noch keine Familie oder keine Familie und zu jung für’s Altersheim, alles dazwischen wohnt woanders. Es ist sehr hellhörig, sodass ich gerade noch eine vernünftige Isolierung zusammenkaufe und improvisiere, aber bisher hat sich auch noch niemand über meine Musik beschwert o. ä.
Das war’s! Wohnung gesucht, Wohnung gefunden. Möge es Euch ein Beispiel sein!
Was die Zukunft bringt
Im August oder September startet mein nächster Blogg: Jeder Hamburger kennt das Vergnüngen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu müssen. Der Bus kommt zu spät, die U-Bahn fällt wegen einer Weichenstörung aus und zwischen Jungfernstieg und Reeperbahn gibt’s eine Umleitung über Halstenbek.
Hat man dann einen Stehplatz ergattert, kann man von Glück reden, wenn der dicke Typ mit den fettigen Haaren direkt neben einem nur nach Schweiß riecht und einem nicht noch etwas verkaufen will.
Um es kurz zu machen: Es gibt schon einen Grund, warum ich überall mit dem Fahrrad hin fahre! Manchmal gibt es allerdings Situationen, in denen ich auf den HVV angewiesen bin: Das Fahrrad ist kaputt, ich muss eine besonders weite Strecke zurücklegen, bin mit anderen Personen unterwegs o. ä.
Durch mein angeschlossenes Fahrrad hatte ich das Vergnügen wieder einmal zu oft. U-Bahn Borgweg standen die uniformierten Rächer, jetzt darf ich wieder 40 Euro berappen. Nachdem die mir letztes Mal mitgeteilt hatten, eine weitere Kleingeldsendung (40 Euro in 1 und 2 Cent-Münzen, 8 kg Paket) würde nicht akzeptiert, habe ich mir für diesmal überlegt, in einzelnen Beträgen zu überweisen, die zufällig in der gleichen Höhe ausfallen wie die Preise für verschiedene Fahrscheine...
Das alles und was der Hamburger Verkehrsverband noch so Lustiges bereit hält, gibt’s demnächst bei Ihrem Zigarettenhändler und auf www.hafaufau.de
