Freitag, 7. Mai 2010

Das Ende vom Lied

Der Zeitplan ist eng: 16:15 Uhr verlasse ich das Büro, um 16:30 Uhr bei der Besichtigung zu sein, spätestens 17:00 Uhr muss ich wieder im Büro sein, weil meine Azubine dann Feierabend machen will. Die Wohnung sieht fast so aus wie die andere, ist drei Quadratmeter kleiner, hat dafür aber einen in der Wand eingebauten Kleiderschrank. Die Verwalterin macht einen ganz sympathischen Eindruck, sodass ich beschließe, sie einfach mal anzusprechen, wie viel man denn verdienen muss, um die Wohnung überhaupt kriegen zu können. "Naja, das dreifache der Warmmiete wäre schon erforderlich, also so 1200 - 1300 Euro." - "Mist, dann muss ich passen, ich krieg nur 1100." Es ging auch über eine Bürgschaft, sagt sie. Ich habe den Eindruck, dass sie mich nur nicht traurig machen will, Hoffnungen mache ich mir eigentlich keine. Trotzdem nehme ich natürlich die Selbstauskunft mit.

Ohne meine Auszubildende sind Überstunden vorprogrammiert, kurz vor sieben schaffe ich es endlich, das Büro zu verlassen. Schnell werfe ich noch die Post in den nächstbesten Postkasten und mache mich auf den Heimweg.

Zu Hause dann der Schock: Offenbar habe ich nicht nur die Post, sondern auch die Selbstauskunft und das Exposé auf den Postweg gebracht. Ich überlege, ob ich es gleich lassen soll - allein die bestimmt zehn anderen Interessenten machen es unwahrscheinlich, dass ich diese Wohnung kriege. Ich entschließe mich dann aber, die Selbstauskunft von der letzten Besichtigung im Schwanenwik einfach entsprechend zu modifizieren. Da das Formular geringfügig anders aussieht, weise ich in meinem Anschreiben darauf hin:


"Nachdem ich peinlicherweise die mir überreichte Selbstauskunft versehentlich zusammen mit dem gestrigen Postausgang meines Arbeitgebers in den nächstbesten Briefkasten der Deutschen Post geworfen habe, musste ich das beigefügte Formular aus den Unterlagen für die neulich besichtigte Wohnung gleichsam „zurechtfälschen“, um Ihnen die Auskunft überhaupt übermitteln zu können. Ich hoffe insoweit auf Ihr Verständnis für meine feierabendstressinduzierte Unachtsamkeit."

Gegen 9:30 Uhr schicke ich das ganze raus, als mögliche Bürgin gebe ich meine Mutter an. Übrigens typisch MS Word: Während einfache Vokabeln wie "mandatiert" unterkringelt werden, übersteht mein Neologismus "feierabendstressinduziert" die Rechtschreibprüfung ohne Probleme.

Vier Stunden später ruft mich meine Auszubildende ans Telefon: "Eine Frau von Robert Vogel oder so." Die Verwalterin teilt mir mit, diesmal sei das Los auf mich gefallen, "aller guten Dinge sind zwei." Sie hat noch ein paar kleine Rückfragen und kündigt an, auf die angebotene Bürgschaft zurückkommen zu wollen. Die Unterlagen gingen heute, spätestens Montag in die Post. Als Mietbeginn würde der 01.06. angegeben, wenn der Vertrag und die Bürgschaft vorher wieder da seien, wäre natürlich auch eine frühere Übergabe möglich.
Ich kann mein Glück nicht fassen. Geil! Schwanenwik, beste Lage an der Alster. 3 km zur Arbeit, 2 km zum Hauptbahnhof, 1 km zur Langen Reihe. Vor Dopaminausschüttung vergesse ich bei der Rechnung, die ich zum Zeitpunkt des Anrufs gerade erstelle, glatt die Kopierkosten und die Auslagen für die Akteneinsicht, sodass ich beschließe, erst einmal eine rauchen zu gehen und meine Eltern zu informieren.

Ladies and Gentlemen, wenn jetzt nicht noch etwas dazwischen kommt, ist das mein vorletzter Eintrag für diesen Blogg.  Ich werde natürlich nochmals mitteilen, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Jetzt muss ich erstmal feiern!

Dienstag, 4. Mai 2010

Aussicht auf schöne Aussicht?

Planlos in Winterhude

Montag Mittag auf der Arbeit ruft mich meine Mutter an: Sie habe mit der Maklerin telefoniert, die auch meinem Bruder eine Wohnung vermittelt hat und die habe gerade noch eine in Winterhude. Heute um 18:00 Uhr sei Besichtigung, ich könne erforderlichenfalls auch ein paar Minuten später kommen. Das Angebot lasse ich mir natürlich nicht entgehen. 

Schon auf der Karte sehe ich, dass die Wohnung mit 3,4 km Entfernung eigentlich etwas außerhalb meines Radius' liegt, dafür an einer ganz schönen Ecke am Stadtpark. Ich probiere meine OneTouch-Taxi-App für's iPhone aus. Nachdem sich die Anzeige, mein Taxi sei in vier Minuten da, zwei Minuten lang nicht ändert, rufe ich doch noch ein normales Taxi. Letztlich kommt das OneTouch-Taxi doch und ich sage das andere wieder ab. Ich komme geringfügig zu spät, aber das war ja angekündigt.

Die 2-Zimmer-Wohnung im ersten Stock, über die ich bis dahin noch gar nichts weiß, ist ganz hübsch, hat aber einen eklatanten Nachteil: Kaum größer als meine jetzige ist sie doch so geschnitten, dass Untervermietung schwierig wird. Mein Zimmer wäre in jedem Fall kleiner als mein jetziges. Alleine wäre die Wohnung toll, allerdings mit 600 Euro warm etwas zu teuer. Ich frage die Maklerin, wie es mit Untervermietung ist. Sie teilt mit, ich solle mir da keine Hoffnungen machen, nach einem Blick auf meine Gehaltsangabe in der Selbstauskunft lässt sie ziemlich deutlich durchblicken, dass meine Chancen äußerst gering seien.

Frustriert ziehe ich von dannen um festzustellen, dass die Wohnung zu allem Überfluss auch noch am Arsch der Heide liegt: Ohne Navi würde ich wohl immer noch die U-Bahn-Station Lattenkamp suchen, nach einer Viertelstunde bin ich endlich da.


Deja Vu in Uhlenhorst

Ich traue meinen Augen nicht, als ich Dienstag kurz vor der Arbeit die Emails mit Wohnungsanzeigen überfliege: Schwanenwik, 2. OG, vermietet von Robert Vogel GmbH - sollte das etwa die Wohnung sein, die ich schon angeguckt und nicht gekriegt habe?

Es ist eine andere, allerdings im gleichen Haus. Auch nach hinten raus, sogar noch 30 Euro günstiger, dafür muss der Mieter Fußboden selbst verlegen und Pantry selber einbauen. Das ist ärgerlich, weil kostspielig, aber bei der Lage und dem Preis doch noch zu verschmerzen.

Ich rufe gleich am Vormittag dort an. Da ich die andere Wohnung nicht gekriegt habe, frage ich vorsichtig, ob das an mir bzw. meinen Einkommensverhältnissen gelegen hat oder nur jemand anders schlichtweg bessere Karten hatte. Die Verwalterin will sich an nichts erinnern können, es seien doch immer so viele Vermietungen, die Daten habe sie jetzt auch nicht mehr griffbereit. Am Donnerstag Nachmittag soll eine Besichtigung stattfinden. Dafür muss ich mir zwar extra frei nehmen, aber so weit ist es ja nicht.