Dienstag, 27. April 2010

Another Brick In The Wall


Montag Morgen bekomme ich eine Email: Ich möge doch bitte noch kurzfristig die reguläre Selbstauskunft ausgefüllt zurückmailen. Die Selbstauskunft bei der Robert Vogel GmbH & Co. KG geht tatsächlich noch über das hinaus, was bisherige Vermieter von mir wissen wollten: Die Telefonnummer meines derzeitigen Vermieters (mit Einverständniserklärung für Kontaktaufnahme), Einverständnis für die Schufa-Auskunft, außerdem gibt es ein Feld „maximale Miete“. Ich trage mal 500 Euro ein, das ist schließlich mein Limit.

Ich schicke alles zügig zurück und hoffe und bete, dass ich die Wohnung nun auch kriege. Diese Lage werde ich nicht wieder finden und dass es nur zwei weitere Interessenten gibt, dürfte auch eher die Ausnahme bleiben. Obgleich die Wohnung durch den fehlenden Keller und die kleine Küche nicht perfekt ist, so ist sie doch gut genug für mich und alles andere wird durch die Lage kompensiert. Ich überlege schon, mir luxuriöse Visitenkarten mit goldenem Prägedruck fertigen zu lassen, um zu suggerieren, meine Einkommensverhältnisse würden zu der Anschrift passen.

Doch wieder einmal habe ich kein Glück: Bereits Dienstag Vormittag kommt eine lakonische Email, man habe sich anderweitig entschieden. Ja scheiße! Ausgerechnet bei dieser Wohnung, auf die ich mich schon so gefreut habe!

Heute gucke ich keine Wohnungsanzeigen. Kein Bock. Mir reicht’s.

Ich melde mich in ein paar Tagen, wenn ich darüber hinweg gekommen bin.

Freitag, 23. April 2010

Wir steigern die Ansprüche

Montag habe ich die erwartete Absage für die Wohnung in Rotherbaum im Email-Postfach: "Leider muss ich Ihnen die Wohnung absagen. Sorry!" Immerhin eine Absage, aber offenbar verhält sich die Maklerin immer so lakonisch.

Eigentlich dachte ich, nach der Villa in Harvestehude könnte es nur noch schlechter werden, aber weit gefehlt: Mittwoch finde ich eine Wohnung im Schwanenwik, Uhlenhorst, direkt an der Alster. Als Nachteile in der Anzeige fallen mir nur auf, dass die Wohnung nach hinten raus geht (also kein Alsterblick) und es keinen Dachboden oder Keller gibt. Trotzdem ist eine Warmmiete von knapp 450 Euro für ein knapp 30 Quadratmeter großes Zimmer in bester Lage in Uhlenhorst immer noch ein Schnäppchen, zumal sie courtagefrei von einer Verwaltungsgesellschaft angeboten wird.

Auf meinen Anruf wird mir mitgeteilt, ich solle mich direkt mit dem Mieter in Verbindung setzen. Leider ist dieser weder am Mittwoch noch am Donnerstag erreichbar. Ich entschließe mich, ihm eine SMS zu schreiben und um Rückruf zu bitten. Das funktioniert auch prompt.

Ich bin der letzte Besichtiger, der sich die Wohnung anguckt. Schon der Weg von der Arbeit dahin ist ein Traum: Ich kann fast durchgängig an der Alster entlang fahren, vorbei an schicken Villen in Winterhude und Uhlenhorst. Die Wohnung liegt, wie meine jetzige, direkt neben einem Hotel. Das Haus selber sieht sehr modern aus mit riesigen Glasfassaden. Da der Mieter einen Termin hat, macht seine Schwester die Besichtigung.

Die Wohnung ist sehr schön, einziges Manko neben dem fehlenden Keller ist die äußerst kleine Küche. Obgleich die Wohnung nach hinten heraus geht, ist die Aussicht prima: Eine große Wiese - das Dach der Tiefgarage, wie ich erfahre - und jede Menge Bäume, hinter denen ein paar Villen erkennbar sind. Ich erfahre, dass der Noch-Mieter sogar noch drei Jahre jünger als ich ist und es bisher nur zwei weitere Interessenten gibt. Geil! Da gibt es zumindest theoretisch noch gute Chancen für mich.

Als ich nach Hause komme, stelle ich fest, dass die Anzeige weg ist. Gleichwohl schreibe ich der Ansprechpartnerin von der Verwaltung sofort eine Email und teile mit, dass ich diese Wohnung unbedingt haben will. Da ich nicht weiß, was für Informationen benötigt werden, schreibe ich präventiv alles auf, was ich in letzter Zeit in Selbstauskünften so angeben musste.

Laut der Schwester des Mieters soll im Laufe des Wochenendes die Entscheidung gefällt werden und Anfang nächster Woche der neue Mieter feststehen. Ihr dürft Daumen drücken.

Sonntag, 11. April 2010

Keine Zusage ist auch eine Absage

Weder auf meine letzte WG-Anfrage noch auf meine Besichtigung in Harvestehude habe ich etwas gehört. Für die Wohnung in der Brahmsallee gibt es, obwohl bis Freitag entschieden sein sollte, nun einen weiteren Besichtigungstermin am Montag. Offenbar waren wohl alle Erstbesichtiger nicht gut genug.

Am Samstag bin ich bei einer Besichtigung in Rotherbaum an der Grenze zu Harvestehude. Die Lage ist optimal - 750 Meter bis zu meiner Arbeitsstelle, Supermarkt, Bank und U-Bahn-Hallerstraße direkt vor der Haustür. Dafür liegt die Wohnung im Dachgeschoss eines siebenstöckigen 70er-Jahre-Komplexes. Die Wohnung hat nur ein Zimmer, aber zumindest noch eine kleine abgetrennte Küche, ein Vollbad und einen kleinen Balkon. Sie ist sehr hell und von innen sieht es ganz gemütlich aus. Mit 469 Euro warm durchaus im Budget, auch die mit mir etwa gleichaltrige Noch-Mieterin weiß nichts Negatives zu berichten. Die Maklerin verliert kein Wort mehr als nötig, sodass die Besichtigung nicht lange dauert.

Erst nach der Besichtigung entdecke ich in der Selbstauskunft die obligatorische Angabe, wer eine selbstschuldnerische Bürgschaft übernimmt. Ich lasse diese Angabe frei und erläutere, dass ich, falls die Zahlung einer Barkaution nicht möglich sein sollte, zunächst mit meiner Bank verhandeln würde, ob diese eine Bürgschaft übernehmen könnte. Viele Hoffnungen mache ich mir bei der Wohnung ohnehin nicht, denn obgleich "nur" 15 Interessenten vor Ort waren, hat sich die Maklerin gar nicht erst die Mühe gemacht, sich irgendwelche Namen zu merken und wird damit wohl nur nach irgendwelchen Kriterien in der Selbstauskunft - mit denen ich nicht aufgrund meines Alters, Gehalts und Wohnorts nicht unbedingt punkten kann - auswählen.

Mittwoch, 7. April 2010

Kein Bock auf Yuppies

Die letzten Tage war es sehr ruhig. Ich habe eine Anfrage abgeschickt für ein WG-Zimmer in Winterhude mit einer ganz netten Beschreibung und prompt eine Antwort erhalten, ich könne ab Mittwoch für eine Besichtigung vorbeikommen. Leider bleibt meine Antwort bisher ohne Reaktion, sodass ich heute noch einmal eine Email losschicke. Ohne Nummer kann ich auch nicht anrufen, sodass ich nur abwarten kann, ob da noch was kommt.

Rothenburgsort + 1,10 €/qm = Harvestehude

Einen ruhigen Moment im Büro abpassend lege ich eine Rauchpause ein und frage bei der Gelegenheit, Apfeltelefon sei Dank, meine Emails ab. 6 neue Immobilien, sehr schön, jedoch zu viele, um die Anzeigen während einer Zigarettenlänge alle durchzugucken. So lese ich nur die Überschriften: Mi. 7.4. Besichtigung 18:30 Uhr heißt es im vorletzten Angebot in der Email.

Das Angebot klingt traumhaft: Eine 2-Zimmer-Wohnung, 75 Quadratmeter, in einer Harvestehuder Jungstilvilla in der Brahmsallee, direkt am Innocentiapark. Noch traumhafter – und damit fragwürdig – klingt die Miete: 595 € kalt, 760 € warm. Das einzige, das mir in der Anzeige negativ auffällt, ist, dass die Wohnung parterre liegt.

Klar muss da was faul sein! Dass bei man in Harvestehude eine Wohnung für gerade mal 1,10 €/qm mehr kriegen kann als bei mir im Ghetto, ist mehr als zweifelhaft. Ich erzähle einem meiner Chefs, der für sicherlich deutlich teurere Quadratmeterpreisen in Harvestehude wohnt, dass ich mir nachher eine Wohnung in Harvestehude mit dreistelliger Warmmiete angucken werde. „Ist doch in Ordnung... für zwölf Quadratmeter...“ Mit dem anwaltlichen Rat, dem Gaul genau auf den Zahn zu fühlen, verlasse ich die Kanzlei gerade noch rechtzeitig.

Eine spontane Besichtigung

Dass „direkt am Innocentiapark“ gelinde gesagt leicht untertrieben ist, merke ich schon auf dem Weg durch die Brahmsallee – es gibt kaum ein Haus in dieser Straße, das vom Innocentiapark weiter entfernt sein könnte. „Vor der Haustür“ meint wohl eher, dass es sich nicht lohnt, mit dem Auto dahin zu fahren. An der Rückseite der Grindelhochhäuser vorbei gelange ich an die zwischen den Hochhäusern gleichsam versteckt gelegene Jungstilvilla, vor der schon die üblichen 30 Interessenten Schlange stehen.

Die Maklerin kommt wie üblich ein paar Minuten zu spät, dafür ist sie umso besser gelaunt und geht mit der Aufforderung, ihr zu folgen, schnurstracks zu einem kleinen Nebeneingang der Villa. Irgendwie kommt von den Interessenten niemand in Bewegung, während die Maklerin schon in die Wohnung vorgepest ist. Obgleich bestimmt 20 Leute vor mir stehen, bin ich letztlich der erste, der nach ihr in die Wohnung kommt.

Der Haken ist gleich augenscheinlich: Tiefparterre, also – nach vorne heraus – noch eine halbe Etage unter dem Erdgeschoss. Letztlich ist neben dem Flur nur eins der Zimmer betroffen und selbst dort ist es dank eines großen Fensters noch hell genug. Die Räume sind nicht so hoch wie, vermutlich, diejenigen in den höheren Stockwerken. Ich versuche, auf Zehenspitzen mit der Hand gegen die Decke zu kommen. Es gelingt gerade soeben nicht. Zuhause komme ich gerade soeben an. Immerhin etwas.

Je länger ich mich umsehe, desto mehr gefällt mir die Wohnung sogar richtig gut. Eine Art kleiner Garten hinter dem Haus, eine große Küche und selbst das Duschbad hat noch ein großes Fenster. Das Zimmer, das nach hinten raus geht, ist durch die großen Fenster sehr hell.

Die Wohnung ist noch vermietet und auch erst ab Juni frei. Auch was die Familie erzählt, die zu dritt in der kleinen Wohnung zu leben scheint, deutet nicht auf einen eklatanten Grund für diesen Mietpreis hin – allein Tiefparterre kann es ja nun nicht sein.

Ich spreche die Maklerin direkt darauf an. Sie gibt ziemlich deutlich zu verstehen, dass der Vermieter keine Lust hat, zu überteuerten Preisen an neureiche Yuppies zu vermieten, die in einem halben Jahr wieder ausziehen müssen, weil sich mit nachmittäglichem öffentlichen Latte-Macchiato-Schlürfen kein Lebensunterhalt verdienen lässt. „Ein solventer Angestellter ist ein langjähriger Mieter, das wird höheren Mieteinnahmen gegenüber bevorzugt.“

Die Maklerin ist total nett. Als ich meine Arbeitsstelle anspreche, erkundigt sie sich, in welchen Bereichen die Kanzlei tätig ist. Sie fragt die Leute, die sich die Selbstauskunft geben lassen, nach den Namen und macht sich jeweils Notizen. Wie bei der Dreamhouse soll das Formular erst am nächsten Tag via Fax oder Mail wieder übersandt werden. Das werde ich wohl tun. Freitag gibt’s dann die Entscheidung.