Montag, 29. März 2010
Wer suchet, der...
Dienstag, 23. März 2010
Der Kampf geht weiter
Samstag, 20. März 2010
Nicht makellos, aber günstig
Dienstag, 16. März 2010
Sachstand
Mittwoch, 10. März 2010
Danke trotzdem
Erstmal habe ich keine weiteren Besichtigungstermine. Morgen bin ich nicht in Hamburg und dass ich Freitag frei kriege, weiß ich erst seit den frühen Abendstunden.
Freie Wohnungsmarktwirtschaft
Montag, 8. März 2010
Was bisher geschah
Meine Wohnungssucherfahrung
Ich kann mich noch lebhaft an meine letzte Wohnungssuche in Hamburg erinnern: Unzählige Male fuhr ich von Eckernförde in die Freie und Hansestadt zu Besichtigungsterinen, immer war ich nur einer von 30 bis 50 Interessenten, der aufgrund seines Alters und seiner finanziellen Verhältnisse eh nichts zu melden hatte.
Meine jetzige Wohnung wurde mir durch einen Nachbarn vermittelt: Ich hatte beim Schwulenchat Gayromeo eine Suchanzeige geschaltet, worauf er sich meldete und sagte, im Haus sei eine Wohnung frei. Wir kamen ins Gespräch und er schaffte es, mir die Wohnung zu vermitteln, bevor diese überhaupt irgendwo inseriert war. Letztlich habe ich einen Tag, bevor ich meine Wohnung in Eckernförde räumen musste, den Mietvertrag für meine jetzige Wohnung in Hamburg unterzeichnet.
Die Wohnung war seinerzeit ideal: Sehr zentral an der Elbe gelegen, kostengünstig und nette Nachbarn inklusive. Ich sollte in Hammerbrook zur Schule gehen, da war es zweckmäßig, im benachbarten Rothenburgsort zu wohnen.
Mein Wohnungsuchwunsch
Mittlerweile arbeite ich in Harvestehude und habe 7 km zur Arbeit zurückzulegen, während ich mit meinem Berufsanfänger-Anwaltsgehilfengehalt in meinem Ghetto schon zu den Besserverdienern gehöre. Mir wurde klar, dass der Hauptgrund, dass ich weiter hier wohnte, der Umstand war, dass ich keine Lust hatte, mich wieder auf die Suche zu machen.
In meinem Kopf reifte die Idee, mich langsam wieder auf die Suche nach einer neuen Bleibe zu machen. Nach einer Viertelstunde Recherche legte ich die Idee zunächst wieder ad Acta – die Auswahl war genauso erschlagend wie die Mieten in den besseren Stadtteilen. Ich beschloss, „zu gegebener Zeit auf die Sache zurückzukommen“, wie es so schön heißt.
Meine Wohnungssuchmission
Eigentlich wollte ich in meinem ersten Urlaub seit Juni, der über ein langes Wochenende hinaus ging, einfach nur die Füße hochlegen. Ich hätte dafür wohl wegfahren müssen – irgendwo am Strand liegen und nichts tun kann ich, zu Hause auf der Couch sitzen und Filme gucken kann ich nicht länger als ein paar Stunden. Irgendwann fing ich an, bei Immonet die Angebote zu sondieren und mir bei WG-Gesucht.de ein paar interessante Zimmer rauszusuchen.
Mein Wohnungsfindungsprozess
Harvestehude selber konnte ich mir abschminken: Das unverschämteste Angebot lag bei 1.600 Euro Kaltmiete für eine 2-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern. Wer meinte, hier sei versehentlich eine „1“ zu viel enthalten, wurde durch andere Angebote eines Besseren belehrt.
Ich zog einen Drei-Kilometer-Umkreis um meine Arbeitsstelle. Nach Eppendorf wollte ich allenfalls an die Grenze zu Harvestehude, sodass in der Auswahl Rotherbaum, Hoheluft, Winterhude und Uhlenhorst verblieben.
Ich gehöre zu den Leuten, die so organisiert sind, dass sie ihre Verplantheit mit einkalkulieren. So beschloss ich, die Organisation meiner Wohnungssuche bürokratisch zu gestalten: Ich legte einen Ordner an, druckte alle Angebote aus und versah sie mit laufenden Nummern. Ich notierte jeweils, was der nächste Schritt ist – also ob ich noch anrufen musste, auf Rückmeldung wartete, vllt. schon einen Termin oder eine Absage hatte – und sortierte die Angebote dementsprechend. Besichtigungstermine wurden gleich unter Angabe der Angebot-Nr. und Kontakt-Daten im iPhone gespeichert.
Natürlich mag ich das nicht. Natürlich nervt es mich, jeden Schritt aufzuschreiben und jedes blöde Angebot auszudrucken. Ich weiß aber genau, dass ich, wenn ich das nicht machen würde, früher oder später bestenfalls einen Besichtigungstermin einfach vergessen und schlimmstenfalls zur falschen Zeit am falschen Ort auftauchen würde, weil ich mit den Terminen durcheinandergekommen wäre.
Wohnungsbesichtigung Nr. 8, Winterhuder Weg, Uhlenhorst
Bei dem WG-Zimmer, das bei mir die Nummer 8 hatte, war man recht spontan: „Hast Du heute Zeit? Dann komm mal so 18:30 Uhr vorbei“. Es handelte sich um zwei kleine Zimmer, 8 und 11 Quadratmeter, in einer 3er-WG direkt an der Mundsburg. Meine Mitbewohner sollten mit einer 24jährigen Frau und einem 30 Jahre alten Mann etwas älter als ich sein, ansonsten enthielt die Anzeige nicht viele Informationen.
Schon als die 24jährige mir die Tür öffnete, verflog mein Enthusiasmus: Das Mädel sah sehr spießig aus und musterte mich, als wolle sie von oben herab sagen: „DU willst also nach Mundsburg ziehen?! Pass mal auf!“ Die Zimmer waren zwar in gutem Zustand, allerdings beide sehr klein im Sinne von Beengend und die Decken waren noch niedriger als bei mir, sodass ich mein Hochbett z. B. nicht hätte mitnehmen können. 
Der Typ kam erst nach der Führung dazu. „Sollen wir uns dann noch einmal in die Küche setzen und unterhalten?“. Die Frau musterte mich erneut mit ihrem „Mundsburg-ist-nicht-für-alle“-Blick und meinte dann zu mir: „Ich glaube, wir müssen Deine Zeit nicht verschwenden. Der erste Eindruck stimmt nicht, ich merke jetzt schon, dass das nichts wird.“ Obgleich mein erster Eindruck auch nicht der Beste war, war mir nicht so ganz klar, warum wir das nicht im Zuge eines Gesprächs definitiv hätten klären können. Gleichwohl hatte ich keine Veranlassung, die Aussage weiter zu hinterfragen und zog daher von dannen zu einem Freund, der dort um die Ecke wohnte.
Winterhude für 1,50 Euro pro Quadratmeter
Zu Hause suchte ich weiter. Dabei fielen mir zwei Angebote auf, die mir doch äußerst merkwürdig vorkamen:
Das erste war eine 4-Zimmer-Wohnung mit 220 Quadratmetern in der Sierichstraße in Winterhude, die für eine Nettokaltmiete von 330 Euro angeboten wurde. Die Angaben im Angebot waren insgesamt sehr widersprüchlich – auf der einen Seite sollte das Objekt 2009 erbaut worden sein (wobei sich schon die Frage stellt, wo man in der Sierichstraße denn noch einen Neubau errichten kann), war aber als renovierungsbedürftig angegeben. Ein Besichtigungstermin war für Oktober 2011 angesetzt, während die Immobilie ab sofort verfügbar sein sollte. Das ganze kam mir dermaßen merkwürdig vor, dass meine einzige Anfrage an die Anbieterin war, ob es sich dabei um einen Scherz handelte.
Winterhude für 4,44 Euro pro Quadratmeter
Das zweite war eine vollmöbilierte 3-Zimmer-Luxus-Penthousewohnung in Winterhude, 135 Quadratmeter für 600 Euro warm. Obgleich der Preis nicht ganz so unrealistisch war wie bei der ersten Wohnung, ging ich davon aus, dass eine so große Wohnung mit zwei weißen Ledersofas, riesigem Plasmafernseher usw. durchaus für das Doppelte hätte vermietet werden können. Ich fragte beim Anbieter nach, warum das Angebot so günstig sei und wie sich das Nutzungsrecht an den Möbeln konkret gestaltete, beispielsweise durch einen befristeten Mietvertrag.
Schon am nächsten Tag hatte ich eine Antwort im Postfach: Ein Engländer meldete sich (auf englisch), die Wohnung sei noch frei. Er habe sie während einer Geschäftsreise erworben und aufwändig zur Luxus-Wohnung umgestaltet, um sie gewinnbringend verkaufen zu können. Wegen der Wirtschaftskrise, konkret wegen der Real Estate Bank, könne er das Objekt gegenwärtig nicht veräußern und wollte es deshalb für ca. 5 Jahre erstmal vermieten. Dabei sollte die Kaution ebenfalls 600 Euro betragen, bis zu vier Personen sollten in der Wohnung wohnen dürfen und die Kündigungsfrist sollte zehn Tage betragen.
Eine englischsprachige Antwort zu verfassen dauert eine Zeit, schon, da mir viele Vokabeln des Mietrechts nicht geläufig sind. Ich gehe davon aus, dass an dem Angebot entweder gewaltig was faul ist, oder der Anbieter überhaupt keine Ahnung hat und entschließe mich zum Schritt nach vorne: Ich schreibe dem Anbieter, dass er für eine Wohnung in der Lage und mit der Ausstattung ohne Probleme das doppelte verlangen kann, die übliche Kaution drei Monatsmieten beträgt und die übliche Kündigungsfrist drei Monate mit dem Hinweis, dass ich die Wohnung zwar gerne zu den von ihm beschriebenen Konditionen mieten würde, aber durchaus Verständnis habe, wenn er sein Angebot nochmals überarbeiten will.
Als ich die Email fertig geschrieben habe und einem Freund bei ICQ das Angebot zeigen möchte, ist es bei Immonet nicht mehr drin. Auch das Angebot in der Sierichstraße wurde zwischenzeitlich gelöscht.
Mein Wohnungskrieg
Ich bin in der Gegenwart angekommen. Über diesen Blogg werde ich in der Zukunft tagebuchartig meine Erfahrungen im Hamburger Wohnungskrieg posten. Keine Sorge, die Posts werden nicht immer so umfangreich. Über Kommentare bzw. Rückmeldungen freue ich mich natürlich.

