Montag, 29. März 2010

Wer suchet, der...

Doch kein Traumhaus

Zumindest gibt es bei Dreamhouse eine Absage. Der Vermieter habe viele gute Bewerbungen wie meine Erhalten, sodass er nach äußerst kritischen Kriterien habe wählen müssen. Leider sei die Wahl auf einen anderen Interessenten gefallen...

Jetzt noch günstiger! Winterhude für 0,80 €/qm!

Eigentlich gibt es nicht viel Neues. Keine neuen Termine, keine interessanten Angebote. Mir fehlt aber gerade auch die Kraft, nach Feierabend noch irgendwelche Touren durch Hamburg zu unternehmen. 

Nicht ganz: Dank eBay bin ich Samstag in Eimsbüttel an einer Ecke, an der ich bestimmt nicht wohnen möchte: Zu weit ab vom Schuss, außerdem sind die da eh komisch. Die Straße an der U-Bahn heißt z. B. "Methfesselstraße" - offenbar hat sich da noch niemand Gedanken gemacht, wie man eine Paste bzw. ein Pulver fesseln will... Lustig ist dafür die Rückfahrt mit Bus und Bahn und einem leuchtend türkisen 1,40 x 1,80 Meter großen Sitzsack im Gepäck, der praktischerweise gleich entsprechend genutzt werden kann.

Montag nach der Arbeit gucke ich gelangweilt Wohnungsanzeigen. Plötzlich stoße ich auf eine Anzeige, die meinem Anwaltsgehilfengehalt sehr entgegen kommt: Ein 15 Quadratmeter großes Zimmer in einer 3er-WG in Winterhude für 12 € kalt + 2 € Nebenkosten. Die Kaution ist mit 50 € schon gnadenlos überhöht - schließlich sind nur drei Nettokaltmieten, mithin 36 €, gesetzlich zulässig... Das Angebot selbst ist sehr lakonisch, insbesondere steht nichts konkretes über die weiteren Mitbewohner in der Anzeige. Da 80 Cent pro Quadratmeter alle bisherigen Beschissangebote in den Schatten stellen, lese ich die Beschreibung noch einmal durch um zu prüfen, ob etwas unseriös erscheint. Nichts, von den Zahlen abgesehen ist das eine ganz normale WG-Anzeige.

Vielleicht eine Null zu wenig? Nein, 140 € warm wären immer noch lächerlich. Preis pro Quadratmeter? Selbst 210 € Warmmiete wären noch zu wenig für ein WG-Zimmer außerhalb eines Ghettos. Als ich mir gerade überlege, was ich in meine Anfrage schreibe, finde ich den Haken doch: Das Zimmer wird lediglich für eine Woche vermietet. Sollte der Preis nicht trotzdem für jeden Quadratmeter oder zumindest pro Tag gelten, wäre das sicherlich immer noch ein unschlagbares Angebot, aber leider nicht für mich.

Dienstag, 23. März 2010

Der Kampf geht weiter

Zwei Dinge sind mir heute erst so richtig aufgefallen:

Zum einen gibt es in Harvestehude durchaus bezahlbare WG-Zimmer - bloß wohnen da leider immer irgendwelche Yuppies, Spießer oder sonstige Leute, die sich für was besseres halten. Der Vorteil: Dass ich da nicht einziehen will, ergibt sich schon in wünschenswerter Deutlichkeit aus den Beschreibungen.

Zum anderen ist meine jetzige Wohnung - 2er-WG mit 270 warm inkl. Strom und Internet - tatsächlich eine der günstigsten in Hamburg. Außerhalb der Studentenwohnheime gibt es für den Preis nur vereinzelt meist sehr kleine oder schlecht gelegene Wohnungen, im Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es nur in Veddel günstigeren Wohnraum.

Mitten in Winterhude

Ich gebe mir gar nicht erst Mühe, bei der Arbeit so rechtzeitig rauszukommen, als dass ich noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Besichtigung könnte. Kurz nach 18:00 Uhr rufe ich mir ein Taxi und bin damit im Ergnis viel zu früh in der Geibelstraße. Die Umgebung ist auf jeden Fall klasse: 20 Meter von der Wohnung entfernt fließt der Osterbekkanal entlang, auf der anderen Seite ist man direkt an einer belebten Straße. Dass auf der anderen Seite gleich ein Schnellimbiss und - gleichsam als Kompension des Ungesunden - ein Bioladen liegen, kommt mir sehr entgegen. In drei Minuten Fußweg ist ein Einkaufs-Center mit diversen Supermärkten erreichbar, dass die nächste Busstation nicht weit ist, versteht sich da von selbst. Ab der Barmbeker Straße kenne ich die Gegend schon: Ich habe früher im Alstercity-Center in der Osterbekstraße gearbeitet.

Nachdem ich, um nicht viel zu früh zu kommen, mich in Ruhe umgesehen habe, werde ich an der Tür von einem Makler begrüßt, der meinen Namen auf seiner Liste abhakt und mir ansonsten für Fragen gern zur Verfügung steht. Die Wohnung ist noch vermietet, faktisch kann mir der Noch-Mieter damit besser Fragen beantworten als der Makler, der ohnehin die ganze Zeit an der Eingangstür stehen bleibt.

Die Räume sind nicht ganz so hoch, wie erhofft. Ein Raum hat keine richtige Tür - das müsste für eine WG natürlich behoben werden, ansonsten fällt mir nur das winzig kleine Duschbad-Badezimmer negativ auf. Trotzdem hat selbst dieses Badezimmer zumindest noch ein Fensterchen. Ich überlege gleich, wie man die Zimmer aufteilen könnte. Das dritte Zimmer neben Schlaf- und Wohnzimmer wird derzeit als Esszimmer genutzt. Nicht nur, weil das Esszimmer auf dem entgegengesetzten Ende des Flurs wie die Küche liegt, sondern vor allem, da ich meistens eh bei mir im Zimmer esse, um nebenbei noch irgendwas anderes machen zu können, würde das bei mir als allererstes umfunktioniert.

Der Noch-Mieter und ich haben denselben Musikgeschmack. Leider will er seine ganzen Pink Floyd Poster beim Auszug mitnehmen. Ansonsten kann er mich beruhigen, dass an der gegenüberliegenden Baustelle nur Montags bis Freitags gearbeitet wird.

Den Makler muss ich nur noch fragen, ob denn eine WG-Nutzung überhaupt möglich ist. Er meinte, mietvertraglich, also offiziell, sei eine Untervermietung zwar nicht möglich, gleichwohl sei das inoffiziell überhaupt kein Problem. Es ginge lediglich darum, dass ein Untermieter im Falle einer vermieterseitigen Kündigung keine Rechte gegen den Vermieter geltend machen kann. Durchaus nachvollziehbar, offenbar scheint das mein jetziger Vermieter nicht zu wissen. Die Selbstauskunft überreicht er mir mit den Worten, ich solle in jedem Fall eine Nacht drüber schlafen und, wenn ich morgen noch ganz wild darauf sei, die Wohnung zu mieten, die Auskunft bis 18:00 Uhr an Dreamhouse faxen soll.

Da es mir abends nicht so gut geht, komme ich tatsächlich erst heute morgen dazu, die Selbstauskunft auszufüllen. Eine dumme Frage fällt mir auf: "Können Sie die Kaution in Höhe von drei Monatskaltmieten aufbringen?" mit der Möglichkeit, ja oder nein anzukreuzen. Also nee! Wer das nicht kann, sollte bitte gar nicht erst Interesse anmelden! Ich überlege, ob ich hinter das ja "natürlich" schreiben soll, entscheide mich jedoch dagegen. Mit einem kurzen Anschreiben geht die Selbstauskunft am frühen Nachmittag aufs Fax.

Fürchterlich große Hoffnungen mache ich mir nicht, schließlich weiß ich nicht, wie viele Interessenten es insgesamt gab und zweckmäßigerweise hatte ich mich ja auch mehr mit dem Noch-Mieter denn mit dem Makler auseinander gesetzt, sodass die Chancen, diesem überhaupt in Erinnerung geblieben zu sein, zumindest fragwürdig sind. Gleichwohl ist das eine Wohnung, wo ich mich über einen "Zuschlag" tatsächlich freuen würde.

Die nächsten Tage habe ich keine weiteren Besichtigungen auf dem Zettel. Mal schauen, was es die nächsten Tage noch an neuen Angeboten gibt.

Samstag, 20. März 2010

Nicht makellos, aber günstig

Es waren einige interessante Angebote für Wohnungen in den aktuellen Anzeigen, allerdings fast ausschließlich solche, wo man sich telefonisch melden musste. Abgesehen davon, dass ich ohnehin nicht so gerne telefoniere, ist das für mich unter der Woche auch recht schwierig: Ich muss in einer Zigarettenpause von der Arbeit aus da anrufen, die Infos entweder mitnehmen oder im Kopf haben und zu allem Überfluss mit Zigarette und Handy in der Hand auch noch an Stift und Zettel denken, um etwas aufzuschreiben. Lange Rede, kurzer Sinn - ich habe mich auf keines der Anruf-Angebote gemeldet, sondern nur ein paar Emails geschrieben.

Eigentlich hatte ich mir für heute einen Besichtigungstermin im Komponistenviertel vorgemerkt, allerdings bei erneuter Durchsicht des Angebots gesehen, dass die Wohnung nicht für WGs geeignet sei. Für mich alleine wäre sie mir mit über 600 Euro im Monat zu teuer.

Traumwohnung über Traumhaus

Meine ursprüngliche Vorgabe, nur courtagefreie Wohnungen zu suchen, habe ich mittlerweile dahingehend geändert, dass ich auch nach Wohnungen mit Courtage suche, die halt insgesamt entsprechend günstig sind, sodass die Courtage nicht über 1.000 Euro liegt.

Die Regel war kaum aufgestellt, schon gab es die erste Ausnahme: Mir fällt ein Angebot ins Auge, bei dem eine 3-Zimmer-Wohnung mit 50 Quadratmetern in Winterhude für 500 Euro kalt vermietet wird. Na gut, dann ist die Courtage eben 1.000 Euro plus Umsatzsteuer. Dass der Anbieter explizit darum bittet, sich per Email zu melden, kommt mir sehr entgegen.

Schon am nächsten Tag habe ich eine Antwort mit einem umfangreichen Exposee im Email-Postfach. Was mir zunächst positiv auffällt, ist die Firmierung des Maklers. Fast alle mir bekannten Makler und Hausverwalter haben den Namen des Chefs als Firmierung oder etwas ähnlich unkreatives. Dieser nicht. Den großkotzig-elitären Eindruck durch eine massige Schriftart unstreichend pragt in großen Lettern "DREAMHOUSE Immobilien" über dem Angebot. Geil! Auch der Internetauftritt unstreicht den Eindruck, dass das nicht irgendein Makler ist, der wahllos Immobilien am Arsch der Heide vermittelt, sondern ein professionelles Unternehmen, das sich ausschließlich auf exklusive Objekte im Umkreis um den Geschäftssitz in Uhlenhorst spezialisiert hat.

Dementsprechend wirkt auch das Angebot: Herrlich hohe Räume in einem Altbau mit Stuck im Hochparterre, der Grundriss erweckt durchaus den Eindruck, als könne man hier auch ausgesprochen preiswert als WG wohnen.

Ich bekunde sofort Interesse. Als ich heute Vormittag vom Einkaufen zurückkehre, habe ich schon eine Email, Besichtigungen sollten am kommenden Montag stattfinden, man habe ich gerade telefonisch nicht erreicht, sodass ich mich nochmals melden sollte. Ich erreiche tatsächlich am Samstag-Vormittag die Geschäftsführerin persönlich und vereinbare einen Termin am Montag um 18:30 Uhr. So muss ich zwar zusehen, bei der Arbeit ausnahmsweise mal pünktlich rauszukommen, aber später ging eben nicht.

Montag habe ich Geburtstag. Ich wünsche mir... eine neue Wohnung.

Dienstag, 16. März 2010

Sachstand

Dass ich die letzten Tage nichts gepostet habe, hat zwei Gründe: Zum einen ist mein Urlaub vorbei, zum anderen gibt es kaum was Neues. 

Für die beiden WGs, die noch "offen" waren, habe ich via Email jeweils eine Standard-Absage bekommen. Bei der in Rotherbaum war mir das egal, bei der in Winterhude war ich schon ein wenig traurig. Nun ja, kommt Zeit, kommt Rat. 

Die letzten Tage waren die Wohnungsanzeigen nicht so "ergiebig" - ich hatte alle aktuellen Anzeigen auf den einschlägigen Internetseiten durchgesehen und war auf was Neues angewiesen. Heute ist eine Anzeige dabei für ein WG-Zimmer in Winterhude, da werde ich mal eine Email schreiben. Ich melde mich, wenn es wieder etwas zu berichten gibt.

Mittwoch, 10. März 2010

Danke trotzdem


Ein Ladenhüter im Zentrum von Rotherbaum

Bus verpasst. Na klasse, ich muss doch um 16:00 Uhr in der Grindelallee sein. Ich nehme einen Bus in die andere Richtung und laufe ein Stück zur S-Bahn, durch diesen Umweg bin ich sogar 10 Minuten früher da als beabsichtigt. Da die Wohnung nicht im Internet inseriert war, sondern mir nur am Telefon gesagt wurde, dass dann eine Besichtigung möglich sei, weiß ich ziemlich gar nichts. Ich gehe davon aus, dass es sich um eine 2-Zimmer-Wohnung für ungefähr 700 Euro kalt handelt.

Die ungeschickt mit dem Schlüssel hantierende Dame, die wie eine Hausverwaltungs-Tante aussieht, ist auch eine solche. Wir warten noch auf ein paar andere Interessenten, letztlich kommt aber nur noch eine Dame dazu. Während wir warten, erfahre ich die konkreten Konditionen: Es ist nur eine 1-Zimmer-Wohnung, die stolze 630 Euro warm kosten soll. „Dafür ist aber auch alles enthalten, Hausmeister, Straßen- und Treppenhausreinigung usw.“. Die Wohnung ist mit gut 40 Quadratmeter sehr geräumig und hat noch einen Balkon sowie einen Wintergarten zur Straße hin. Das Vollbad ist etwas größer als mein jetziges, dafür ist die Küche mit im Zimmer. Sowohl die andere Besichtigerin als auch ich bedanken uns für die Führung, bekunden aber kein Interesse an der Wohnung. Für mich ist sie zu groß und zu teuer, außerdem will ich eine separate Küche haben, der anderen Dame ist die Wohnung zu klein.

Ein Zuhause am Arsch von Winterhude

Seit ich hier wohne bin ich noch nie in den falschen Bus gestiegen, der zwei Mal die Stunde zur Burgstraße statt zum Hauptbahnhof fährt. Heute passiert es mir, nachdem ich ohnehin schon auf den letzten Drücker aus dem Haus gesprintet bin. Also wieder zur S-Bahn, diesmal kostet mich der Umweg aber 10 Minuten, sodass ich etwas später kommen muss. „Kein Problem“, sagt man mir am Telefon.

Alsterdorf ist so verschlafen, wie der Name klingt, grenzt aber im Süden an Winterhude. Lattenkamp liegt noch in Winterhude an der Grenze, die Wohnung in der Mitte zwischen Stadtpark und Alster ungefähr 2,5 Kilometer von meiner Arbeit entfernt. Ich mag Lattenkamp, das klingt irgendwie schwul, außerdem soll das Zimmer nur 285 Euro warm kosten.

In der Wohnung ist schwer was los, zwei weitere Interessenten sind noch da, von denen einer gerade geht. Ein Mädchen stellt sich als die Noch-Mieterin vor, zusammen mit einem Mitbewohner, der auch erst seit kurzem in der Wohnung lebt, zeigen sie mir die Räumlichkeiten. Das Zimmer ist ein bisschen kleiner als meins, aber nicht zu klein und insgesamt ganz schön.

Leider ist der dritte im Bunde ortsabwesend – auf dem Rückweg von seiner Freundin in Holland hat er den Zug verpasst. Auf Nachfrage wird mir mitgeteilt, dass mit einer engeren Auswahl quasi noch Nachbesichtigungen stattfinden. Die Wohnung soll ab 15. März frei sein, deshalb ist das alles etwas eilig und morgen soll allen Interessenten Bescheid gegeben werden.

Dafür ist mir der andere Mitbewohner auf Anhieb sympathisch: In etwa mein Alter, will in die Journalismus-Branche und macht gerade ein längerfristiges Praktikum. Als er mir erzählt, dass er gerade für ein bekanntes Magazin einen Artikel über die Wirkung von Cannabis schreibt, ist mir schon klar, dass wir uns verstehen.

Wir unterhalten uns noch ein bisschen. Ich erzähle von meinem Job und was ich sonst so mache, wie ich mir das vorstelle usw.. Insoweit stimmen wir überein: In der WG gibt es kaum regeln und es läuft trotzdem irgendwie. Der andere Mitbewohner, der wohl auch nicht nur seiner Freundin wegen nach Holland gefahren ist, wird ab kommendem Semester Jura studieren und ist mir als Anwaltsgehilfen schon deshalb dem Grunde nach sympathisch. Bei dieser WG hoffe ich, in die engere Wahl zu kommen, obgleich man auch dort ohne Ende Besichtigungen hat. Irgendwann kommt schon der nächste und ich mache mich auf den Heimweg.

Ein Zuhause voll gestellter Weichen

„Meine Freundin würde jederzeit hier einziehen.“ sagt meine Mitbewohnerin. Ob sie dann mit ihrer Freundin zusammen Mieter spielen will oder einer der beiden die Wohnung mietet und untervermietet, wollen die beiden noch klären. Ich überlege, ob ich den Vermieter jetzt schon fragen soll, ob er grundsätzlich damit einverstanden ist, wenn einfach mal der Mieter in seiner Wohnung wechselt. Da ja noch völlig in den Sternen steht, wann der Wohnungskrieg entschieden ist, entscheide ich mich dagegen. Ich schätze ihn so ein, dass er durchaus ein Interesse daran hat, dass die Wohnung durchgängig weiter vermietet ist und ihm eine Beendigung des Mietverhältnisses durch Wechsel des Hauptmieters sogar eher entgegen käme.

Natürlich habe ich noch keine Koffer gepackt, aber wenn es plötzlich losgehen kann, muss ich zumindest keine Angst haben, doppelte Miete zahlen zu müssen.

Erstmal habe ich keine weiteren Besichtigungstermine. Morgen bin ich nicht in Hamburg und dass ich Freitag frei kriege, weiß ich erst seit den frühen Abendstunden. 

Freie Wohnungsmarktwirtschaft


Ich führe diverse Telefongespräche und schmeiße bei der zweiten Durchsicht ein paar Anzeigen wieder aus dem Ordner raus – zu teuer, zu weit weg, zu fragwürdige Konditionen oder Mitbewohner.

Eigentlich wollte ich zu einer klassischen Wohnungsbesichtigung mit einer unbekannten Anzahl an Interessen in die Semperstraße in Winterhude. Da ich abends zum 30 Seconds to Mars Konzert will und den ganzen Tag mit Durchsicht von Anzeigen verdaddelt habe, wird mir die Zeit knapp. Schließlich muss ich vor dem Konzert zumindest noch etwas essen. Da die Wohnung eh im Grenzbereich zu Barmbek Süd liegt und zudem relativ teuer ist, beschließe ich, die Besichtigung ausfallen zu lassen. Schon macht sich mein System bewährt, im Kalender einzutragen, ob ich einen extra Termin zur Besichtigung habe oder nicht.

Beste Lage in Balkonien

Nachdem ich Montag Nacht noch einem Freund helfe, seinen Rechner platt zu machen und Windows neu aufzuspielen, schlafe ich Dienstag bis 14:00 Uhr. Scheiße! 15:30 Uhr habe ich schon die erste Besichtigung (Nr. 9) in einer 4er-WG in der Grindelallee/Rotherbaum. Ungefrühstückt und unterkoffeiniert mache ich mich auf den Weg. Die Anzeige zu der Wohnung war recht lakonisch, eine 20jährige, ein 23jähriger und ein 53jähriger suchten einen „entspannten“ Mitbewohner und: „PS: Wir sind ziemlich cool...“. Das konnten natürlich irgendwelche Yuppies sein, die sich tatsächlich für „cool“ hielten, aber schon der Umstand, dass zwei so junge Leute mit einem 53jährigen zusammen wohnen, machte neugierig und weckte die Hoffnung, dass das PS ironisch gemeint ist.

Der 53jährige ist nicht da. „Der ist Manager und fast immer unterwegs.“ heißt es. Die beiden anderen sind ganz nett, aber auch nicht so nett, dass ich auf Anhieb dort eingezogen wäre. Die Wohnung selber ist super – kein Zimmer ohne Balkon, zudem bestand noch die Möglichkeit, aufs Dach zu gehen; alles war sehr hell und mit Laminat ausgestattet, die Wohnung ist insgesamt sehr groß. Dafür ist offensichtlich, dass die Mitbewohner sich mit Besichtigungen total übernommen hatten – allein an dem Tag sollten 17 Termine stattfinden und man wusste teilweise schon gar nicht mehr, wer genau hinter einem Namen auf der Interessenliste stand.  Die wenigen Rückfragen zu meiner Person ließen nicht auf übermäßiges Interesse schließen, gleichwohl wollte man sich bei jedem Interessenten bis Ende der Woche melden.

Klassische Besichtigung Nr. 22

So ziehe ich weiter gen Winterhude, wo ich um 17:30 Uhr eine 2-Zimmer-Wohnung in der Jarrestraße besichtigen will. Es ist eine klassische Hamburger Massenbesichtigung, wobei „nur“ ungefähr 25 Leute sich die Wohnung angucken, die auch nicht alle Interesse daran habten. Die Wohnung selber ist in etwa so groß wie meine jetzige, wobei aufgrund des Schnitts der Zimmer WG-Leben schwierig würde. Bei 350 Euro kalt kann ich sie mir auch noch alleine leisten. Nicht so schön ist der Umstand, dass die Wohnung per Nachtspeicherheizung beheizt wird und dass das gesamte Badezimmer ungefähr so groß ist, wie meine Badewanne. Außerdem liegt die Wohnung im Erdgeschoss und die Jarrestraße ist nicht gerade ruhig. Trotzdem fülle ich den Zettel aus, dass ich sie kriege, ist ohnehin recht unwahrscheinlich.

Doch kein Billig-Winterhude

Eigentlich will ich schon ins Bett gehen, da sehe ich, dass der Engländer mir geantwortet hat mit der Luxus-Wohnung für 600 Euro in Winterhude. Auf meine Anfrage geht er gar nicht ein, sondern wiederholt nur seine Ausführungen, dass die Wohnung 600 warm kostete. Ein britischer Lieferdienst würde den Schlüssel gegen Kaution und Monatsmiete in bar tauschen, falls ich kein Interesse hätte, würde ich das Geld wieder kriegen und der Schlüssel würde zurückgeschickt, ansonsten könne ich das Objekt gleich beziehen.

Dass meine Fragen nicht beantwortet wurden und der Vermieter bei seinen Konditionen bleiben wollte, kam mir doch etwas merkwürdig vor, sodass ich beschloss, erstmal seinen angegebenen Lieferdienst zu googlen. Im Ergebnis fand ich den Text, den er mir geschickt hatte, in geringfügig veränderter Form komplett im Netz: Die Masche ist nicht neu, mietwilligen Interessenten durch einen fiktiven Lieferdienst Geld abzuknöpfen, ohne dass dafür eine Gegenleistung erfolgt.

So blieb mir nur, mich für den aufwändigen Betrugsversuch zu bedanken und die Wohnung wieder aus dem Ordner zu nehmen.

Die halbe Miete

Mein Mittwoch beginnt etwas früher als der Dienstag. Ich nutze den Vormittag, weitere Angebote rauszusuchen. Außerdem frage ich bei der Arbeit an, ob ich den Freitag noch frei machen kann – ich hätte eigentlich gleich drauf kommen können, dass ich so mit nur 6 Werktagen Urlaub insgesamt 10 Tage kanzleiabwesend sein könnte, aber irgendwie war ich nur darauf fixiert, eine Woche Urlaub zu nehmen. Man will es sich überlegen, es kommt wie immer drauf an, was konkret noch anfällt...

Ich überarbeite meine Suchanzeige bei WG-Gesucht.de mit einer ausführlicheren Personenbeschreibung. Damit sollte sich jeder ein Bild von mir machen können, sodass mich Leute, bei denen es eh nicht passte, gar nicht mehr kontaktieren. Nachdem mir darüber bisher nur eine sehr teure Wohnung in Eppendorf angeboten wurde, kam heute morgen noch eine Anfrage für ein WG-Zimmer direkt an der U-Bahn Mundsburg. Das ist zwar eine schöne Gegend, aber dafür, dass es recht laut und teuer ist, auch zu weit von meiner Arbeitsstelle entfernt.

Als nächstes ruft einer an: Er habe ein Zimmer in einer tollen 100 Quadratmeter-Wohnung, das Zimmer selber sei 20 Quadratmeter groß. Naja... dafür würde es 500 Euro kosten. „...aber in der Langen Reihe, St. Georg, das interessiert Dich doch bestimmt?“ Ich wimmle ab, das sei zu weit weg von meiner Arbeit. Natürlich kann ich nicht verleugnen, dass es mich reizt, mitten in der Schwulenszene zu wohnen. Auf der anderen Seite will ich dafür keine 500 Euro im Monat zahlen, erst recht nicht für ein 20 Quadratmeter-Zimmer. Ich denke, für 100 Euro weniger hätte ich es mir zumindest mal angeguckt.

Heute stehen noch zwei Termine an: Nr. 2 in der Grindelallee/Rotherbaum, eine Zwei-Zimmer-Wohnung über eine Wohnungsgesellschaft, zu der ich keine weiteren Angaben habe, als dass sie um die 700 Euro kalt kosten soll. Dass man sich meinen Namen notiert hat, deutet darauf hin, dass der Termin nur für mich ist, was mich auf der anderen Seite bei einer Wohnungsgesellschaft etwas wundert. Um 20:00 Uhr bin ich bei der Nr. 7, einer 3er-WG mit zwei jungen Studenten in der Rehmstraße in Winterhude. Was ich dabei erlebe, steht in meinem nächsten Post...

Montag, 8. März 2010

Was bisher geschah

Meine Wohnungssucherfahrung


Ich kann mich noch lebhaft an meine letzte Wohnungssuche in Hamburg erinnern: Unzählige Male fuhr ich von Eckernförde in die Freie und Hansestadt zu Besichtigungsterinen, immer war ich nur einer von 30 bis 50 Interessenten, der aufgrund seines Alters und seiner finanziellen Verhältnisse eh nichts zu melden hatte.


Meine jetzige Wohnung wurde mir durch einen Nachbarn vermittelt: Ich hatte beim Schwulenchat Gayromeo eine Suchanzeige geschaltet, worauf er sich meldete und sagte, im Haus sei eine Wohnung frei. Wir kamen ins Gespräch und er schaffte es, mir die Wohnung zu vermitteln, bevor diese überhaupt irgendwo inseriert war. Letztlich habe ich einen Tag, bevor ich meine Wohnung in Eckernförde räumen musste, den Mietvertrag für meine jetzige Wohnung in Hamburg unterzeichnet.


Die Wohnung war seinerzeit ideal: Sehr zentral an der Elbe gelegen, kostengünstig und nette Nachbarn inklusive. Ich sollte in Hammerbrook zur Schule gehen, da war es zweckmäßig, im benachbarten Rothenburgsort zu wohnen.



Mein Wohnungsuchwunsch


Mittlerweile arbeite ich in Harvestehude und habe 7 km zur Arbeit zurückzulegen, während ich mit meinem Berufsanfänger-Anwaltsgehilfengehalt in meinem Ghetto schon zu den Besserverdienern gehöre. Mir wurde klar, dass der Hauptgrund, dass ich weiter hier wohnte, der Umstand war, dass ich keine Lust hatte, mich wieder auf die Suche zu machen.


In meinem Kopf reifte die Idee, mich langsam wieder auf die Suche nach einer neuen Bleibe zu machen. Nach einer Viertelstunde Recherche legte ich die Idee zunächst wieder ad Acta – die Auswahl war genauso erschlagend wie die Mieten in den besseren Stadtteilen. Ich beschloss, „zu gegebener Zeit auf die Sache zurückzukommen“, wie es so schön heißt.


Meine Wohnungssuchmission


Eigentlich wollte ich in meinem ersten Urlaub seit Juni, der über ein langes Wochenende hinaus ging, einfach nur die Füße hochlegen. Ich hätte dafür wohl wegfahren müssen – irgendwo am Strand liegen und nichts tun kann ich, zu Hause auf der Couch sitzen und Filme gucken kann ich nicht länger als ein paar Stunden. Irgendwann fing ich an, bei Immonet die Angebote zu sondieren und mir bei WG-Gesucht.de ein paar interessante Zimmer rauszusuchen.



Mein Wohnungsfindungsprozess


Harvestehude selber konnte ich mir abschminken: Das unverschämteste Angebot lag bei 1.600 Euro Kaltmiete für eine 2-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern. Wer meinte, hier sei versehentlich eine „1“ zu viel enthalten, wurde durch andere Angebote eines Besseren belehrt.

Ich zog einen Drei-Kilometer-Umkreis um meine Arbeitsstelle. Nach Eppendorf wollte ich allenfalls an die Grenze zu Harvestehude, sodass in der Auswahl Rotherbaum, Hoheluft, Winterhude und Uhlenhorst verblieben.


Ich gehöre zu den Leuten, die so organisiert sind, dass sie ihre Verplantheit mit einkalkulieren. So beschloss ich, die Organisation meiner Wohnungssuche bürokratisch zu gestalten: Ich legte einen Ordner an, druckte alle Angebote aus und versah sie mit laufenden Nummern. Ich notierte jeweils, was der nächste Schritt ist – also ob ich noch anrufen musste, auf Rückmeldung wartete, vllt. schon einen Termin oder eine Absage hatte – und sortierte die Angebote dementsprechend. Besichtigungstermine wurden gleich unter Angabe der Angebot-Nr. und Kontakt-Daten im iPhone gespeichert.


Natürlich mag ich das nicht. Natürlich nervt es mich, jeden Schritt aufzuschreiben und jedes blöde Angebot auszudrucken. Ich weiß aber genau, dass ich, wenn ich das nicht machen würde, früher oder später bestenfalls einen Besichtigungstermin einfach vergessen und schlimmstenfalls zur falschen Zeit am falschen Ort auftauchen würde, weil ich mit den Terminen durcheinandergekommen wäre.



Wohnungsbesichtigung Nr. 8, Winterhuder Weg, Uhlenhorst


Bei dem WG-Zimmer, das bei mir die Nummer 8 hatte, war man recht spontan: „Hast Du heute Zeit? Dann komm mal so 18:30 Uhr vorbei“. Es handelte sich um zwei kleine Zimmer, 8 und 11 Quadratmeter, in einer 3er-WG direkt an der Mundsburg. Meine Mitbewohner sollten mit einer 24jährigen Frau und einem 30 Jahre alten Mann etwas älter als ich sein, ansonsten enthielt die Anzeige nicht viele Informationen.


Schon als die 24jährige mir die Tür öffnete, verflog mein Enthusiasmus: Das Mädel sah sehr spießig aus und musterte mich, als wolle sie von oben herab sagen: „DU willst also nach Mundsburg ziehen?! Pass mal auf!“ Die Zimmer waren zwar in gutem Zustand, allerdings beide sehr klein im Sinne von Beengend und die Decken waren noch niedriger als bei mir, sodass ich mein Hochbett z. B. nicht hätte mitnehmen können.


Der Typ kam erst nach der Führung dazu. „Sollen wir uns dann noch einmal in die Küche setzen und unterhalten?“. Die Frau musterte mich erneut mit ihrem „Mundsburg-ist-nicht-für-alle“-Blick und meinte dann zu mir: „Ich glaube, wir müssen Deine Zeit nicht verschwenden. Der erste Eindruck stimmt nicht, ich merke jetzt schon, dass das nichts wird.“ Obgleich mein erster Eindruck auch nicht der Beste war, war mir nicht so ganz klar, warum wir das nicht im Zuge eines Gesprächs definitiv hätten klären können. Gleichwohl hatte ich keine Veranlassung, die Aussage weiter zu hinterfragen und zog daher von dannen zu einem Freund, der dort um die Ecke wohnte.



Winterhude für 1,50 Euro pro Quadratmeter


Zu Hause suchte ich weiter. Dabei fielen mir zwei Angebote auf, die mir doch äußerst merkwürdig vorkamen:


Das erste war eine 4-Zimmer-Wohnung mit 220 Quadratmetern in der Sierichstraße in Winterhude, die für eine Nettokaltmiete von 330 Euro angeboten wurde. Die Angaben im Angebot waren insgesamt sehr widersprüchlich – auf der einen Seite sollte das Objekt 2009 erbaut worden sein (wobei sich schon die Frage stellt, wo man in der Sierichstraße denn noch einen Neubau errichten kann), war aber als renovierungsbedürftig angegeben. Ein Besichtigungstermin war für Oktober 2011 angesetzt, während die Immobilie ab sofort verfügbar sein sollte. Das ganze kam mir dermaßen merkwürdig vor, dass meine einzige Anfrage an die Anbieterin war, ob es sich dabei um einen Scherz handelte.



Winterhude für 4,44 Euro pro Quadratmeter


Das zweite war eine vollmöbilierte 3-Zimmer-Luxus-Penthousewohnung in Winterhude, 135 Quadratmeter für 600 Euro warm. Obgleich der Preis nicht ganz so unrealistisch war wie bei der ersten Wohnung, ging ich davon aus, dass eine so große Wohnung mit zwei weißen Ledersofas, riesigem Plasmafernseher usw. durchaus für das Doppelte hätte vermietet werden können. Ich fragte beim Anbieter nach, warum das Angebot so günstig sei und wie sich das Nutzungsrecht an den Möbeln konkret gestaltete, beispielsweise durch einen befristeten Mietvertrag.


Schon am nächsten Tag hatte ich eine Antwort im Postfach: Ein Engländer meldete sich (auf englisch), die Wohnung sei noch frei. Er habe sie während einer Geschäftsreise erworben und aufwändig zur Luxus-Wohnung umgestaltet, um sie gewinnbringend verkaufen zu können. Wegen der Wirtschaftskrise, konkret wegen der Real Estate Bank, könne er das Objekt gegenwärtig nicht veräußern und wollte es deshalb für ca. 5 Jahre erstmal vermieten. Dabei sollte die Kaution ebenfalls 600 Euro betragen, bis zu vier Personen sollten in der Wohnung wohnen dürfen und die Kündigungsfrist sollte zehn Tage betragen.


Eine englischsprachige Antwort zu verfassen dauert eine Zeit, schon, da mir viele Vokabeln des Mietrechts nicht geläufig sind. Ich gehe davon aus, dass an dem Angebot entweder gewaltig was faul ist, oder der Anbieter überhaupt keine Ahnung hat und entschließe mich zum Schritt nach vorne: Ich schreibe dem Anbieter, dass er für eine Wohnung in der Lage und mit der Ausstattung ohne Probleme das doppelte verlangen kann, die übliche Kaution drei Monatsmieten beträgt und die übliche Kündigungsfrist drei Monate mit dem Hinweis, dass ich die Wohnung zwar gerne zu den von ihm beschriebenen Konditionen mieten würde, aber durchaus Verständnis habe, wenn er sein Angebot nochmals überarbeiten will.


Als ich die Email fertig geschrieben habe und einem Freund bei ICQ das Angebot zeigen möchte, ist es bei Immonet nicht mehr drin. Auch das Angebot in der Sierichstraße wurde zwischenzeitlich gelöscht.



Mein Wohnungskrieg


Ich bin in der Gegenwart angekommen. Über diesen Blogg werde ich in der Zukunft tagebuchartig meine Erfahrungen im Hamburger Wohnungskrieg posten. Keine Sorge, die Posts werden nicht immer so umfangreich. Über Kommentare bzw. Rückmeldungen freue ich mich natürlich.