Zwei Dinge sind mir heute erst so richtig aufgefallen:
Zum einen gibt es in Harvestehude durchaus bezahlbare WG-Zimmer - bloß wohnen da leider immer irgendwelche Yuppies, Spießer oder sonstige Leute, die sich für was besseres halten. Der Vorteil: Dass ich da nicht einziehen will, ergibt sich schon in wünschenswerter Deutlichkeit aus den Beschreibungen.
Zum anderen ist meine jetzige Wohnung - 2er-WG mit 270 warm inkl. Strom und Internet - tatsächlich eine der günstigsten in Hamburg. Außerhalb der Studentenwohnheime gibt es für den Preis nur vereinzelt meist sehr kleine oder schlecht gelegene Wohnungen, im Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es nur in Veddel günstigeren Wohnraum.
Mitten in Winterhude
Ich gebe mir gar nicht erst Mühe, bei der Arbeit so rechtzeitig rauszukommen, als dass ich noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Besichtigung könnte. Kurz nach 18:00 Uhr rufe ich mir ein Taxi und bin damit im Ergnis viel zu früh in der Geibelstraße. Die Umgebung ist auf jeden Fall klasse: 20 Meter von der Wohnung entfernt fließt der Osterbekkanal entlang, auf der anderen Seite ist man direkt an einer belebten Straße. Dass auf der anderen Seite gleich ein Schnellimbiss und - gleichsam als Kompension des Ungesunden - ein Bioladen liegen, kommt mir sehr entgegen. In drei Minuten Fußweg ist ein Einkaufs-Center mit diversen Supermärkten erreichbar, dass die nächste Busstation nicht weit ist, versteht sich da von selbst. Ab der Barmbeker Straße kenne ich die Gegend schon: Ich habe früher im Alstercity-Center in der Osterbekstraße gearbeitet.
Nachdem ich, um nicht viel zu früh zu kommen, mich in Ruhe umgesehen habe, werde ich an der Tür von einem Makler begrüßt, der meinen Namen auf seiner Liste abhakt und mir ansonsten für Fragen gern zur Verfügung steht. Die Wohnung ist noch vermietet, faktisch kann mir der Noch-Mieter damit besser Fragen beantworten als der Makler, der ohnehin die ganze Zeit an der Eingangstür stehen bleibt.
Die Räume sind nicht ganz so hoch, wie erhofft. Ein Raum hat keine richtige Tür - das müsste für eine WG natürlich behoben werden, ansonsten fällt mir nur das winzig kleine Duschbad-Badezimmer negativ auf. Trotzdem hat selbst dieses Badezimmer zumindest noch ein Fensterchen. Ich überlege gleich, wie man die Zimmer aufteilen könnte. Das dritte Zimmer neben Schlaf- und Wohnzimmer wird derzeit als Esszimmer genutzt. Nicht nur, weil das Esszimmer auf dem entgegengesetzten Ende des Flurs wie die Küche liegt, sondern vor allem, da ich meistens eh bei mir im Zimmer esse, um nebenbei noch irgendwas anderes machen zu können, würde das bei mir als allererstes umfunktioniert.
Der Noch-Mieter und ich haben denselben Musikgeschmack. Leider will er seine ganzen Pink Floyd Poster beim Auszug mitnehmen. Ansonsten kann er mich beruhigen, dass an der gegenüberliegenden Baustelle nur Montags bis Freitags gearbeitet wird.
Den Makler muss ich nur noch fragen, ob denn eine WG-Nutzung überhaupt möglich ist. Er meinte, mietvertraglich, also offiziell, sei eine Untervermietung zwar nicht möglich, gleichwohl sei das inoffiziell überhaupt kein Problem. Es ginge lediglich darum, dass ein Untermieter im Falle einer vermieterseitigen Kündigung keine Rechte gegen den Vermieter geltend machen kann. Durchaus nachvollziehbar, offenbar scheint das mein jetziger Vermieter nicht zu wissen. Die Selbstauskunft überreicht er mir mit den Worten, ich solle in jedem Fall eine Nacht drüber schlafen und, wenn ich morgen noch ganz wild darauf sei, die Wohnung zu mieten, die Auskunft bis 18:00 Uhr an Dreamhouse faxen soll.
Da es mir abends nicht so gut geht, komme ich tatsächlich erst heute morgen dazu, die Selbstauskunft auszufüllen. Eine dumme Frage fällt mir auf: "Können Sie die Kaution in Höhe von drei Monatskaltmieten aufbringen?" mit der Möglichkeit, ja oder nein anzukreuzen. Also nee! Wer das nicht kann, sollte bitte gar nicht erst Interesse anmelden! Ich überlege, ob ich hinter das ja "natürlich" schreiben soll, entscheide mich jedoch dagegen. Mit einem kurzen Anschreiben geht die Selbstauskunft am frühen Nachmittag aufs Fax.
Fürchterlich große Hoffnungen mache ich mir nicht, schließlich weiß ich nicht, wie viele Interessenten es insgesamt gab und zweckmäßigerweise hatte ich mich ja auch mehr mit dem Noch-Mieter denn mit dem Makler auseinander gesetzt, sodass die Chancen, diesem überhaupt in Erinnerung geblieben zu sein, zumindest fragwürdig sind. Gleichwohl ist das eine Wohnung, wo ich mich über einen "Zuschlag" tatsächlich freuen würde.
Die nächsten Tage habe ich keine weiteren Besichtigungen auf dem Zettel. Mal schauen, was es die nächsten Tage noch an neuen Angeboten gibt.

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