Mittwoch, 10. März 2010

Danke trotzdem


Ein Ladenhüter im Zentrum von Rotherbaum

Bus verpasst. Na klasse, ich muss doch um 16:00 Uhr in der Grindelallee sein. Ich nehme einen Bus in die andere Richtung und laufe ein Stück zur S-Bahn, durch diesen Umweg bin ich sogar 10 Minuten früher da als beabsichtigt. Da die Wohnung nicht im Internet inseriert war, sondern mir nur am Telefon gesagt wurde, dass dann eine Besichtigung möglich sei, weiß ich ziemlich gar nichts. Ich gehe davon aus, dass es sich um eine 2-Zimmer-Wohnung für ungefähr 700 Euro kalt handelt.

Die ungeschickt mit dem Schlüssel hantierende Dame, die wie eine Hausverwaltungs-Tante aussieht, ist auch eine solche. Wir warten noch auf ein paar andere Interessenten, letztlich kommt aber nur noch eine Dame dazu. Während wir warten, erfahre ich die konkreten Konditionen: Es ist nur eine 1-Zimmer-Wohnung, die stolze 630 Euro warm kosten soll. „Dafür ist aber auch alles enthalten, Hausmeister, Straßen- und Treppenhausreinigung usw.“. Die Wohnung ist mit gut 40 Quadratmeter sehr geräumig und hat noch einen Balkon sowie einen Wintergarten zur Straße hin. Das Vollbad ist etwas größer als mein jetziges, dafür ist die Küche mit im Zimmer. Sowohl die andere Besichtigerin als auch ich bedanken uns für die Führung, bekunden aber kein Interesse an der Wohnung. Für mich ist sie zu groß und zu teuer, außerdem will ich eine separate Küche haben, der anderen Dame ist die Wohnung zu klein.

Ein Zuhause am Arsch von Winterhude

Seit ich hier wohne bin ich noch nie in den falschen Bus gestiegen, der zwei Mal die Stunde zur Burgstraße statt zum Hauptbahnhof fährt. Heute passiert es mir, nachdem ich ohnehin schon auf den letzten Drücker aus dem Haus gesprintet bin. Also wieder zur S-Bahn, diesmal kostet mich der Umweg aber 10 Minuten, sodass ich etwas später kommen muss. „Kein Problem“, sagt man mir am Telefon.

Alsterdorf ist so verschlafen, wie der Name klingt, grenzt aber im Süden an Winterhude. Lattenkamp liegt noch in Winterhude an der Grenze, die Wohnung in der Mitte zwischen Stadtpark und Alster ungefähr 2,5 Kilometer von meiner Arbeit entfernt. Ich mag Lattenkamp, das klingt irgendwie schwul, außerdem soll das Zimmer nur 285 Euro warm kosten.

In der Wohnung ist schwer was los, zwei weitere Interessenten sind noch da, von denen einer gerade geht. Ein Mädchen stellt sich als die Noch-Mieterin vor, zusammen mit einem Mitbewohner, der auch erst seit kurzem in der Wohnung lebt, zeigen sie mir die Räumlichkeiten. Das Zimmer ist ein bisschen kleiner als meins, aber nicht zu klein und insgesamt ganz schön.

Leider ist der dritte im Bunde ortsabwesend – auf dem Rückweg von seiner Freundin in Holland hat er den Zug verpasst. Auf Nachfrage wird mir mitgeteilt, dass mit einer engeren Auswahl quasi noch Nachbesichtigungen stattfinden. Die Wohnung soll ab 15. März frei sein, deshalb ist das alles etwas eilig und morgen soll allen Interessenten Bescheid gegeben werden.

Dafür ist mir der andere Mitbewohner auf Anhieb sympathisch: In etwa mein Alter, will in die Journalismus-Branche und macht gerade ein längerfristiges Praktikum. Als er mir erzählt, dass er gerade für ein bekanntes Magazin einen Artikel über die Wirkung von Cannabis schreibt, ist mir schon klar, dass wir uns verstehen.

Wir unterhalten uns noch ein bisschen. Ich erzähle von meinem Job und was ich sonst so mache, wie ich mir das vorstelle usw.. Insoweit stimmen wir überein: In der WG gibt es kaum regeln und es läuft trotzdem irgendwie. Der andere Mitbewohner, der wohl auch nicht nur seiner Freundin wegen nach Holland gefahren ist, wird ab kommendem Semester Jura studieren und ist mir als Anwaltsgehilfen schon deshalb dem Grunde nach sympathisch. Bei dieser WG hoffe ich, in die engere Wahl zu kommen, obgleich man auch dort ohne Ende Besichtigungen hat. Irgendwann kommt schon der nächste und ich mache mich auf den Heimweg.

Ein Zuhause voll gestellter Weichen

„Meine Freundin würde jederzeit hier einziehen.“ sagt meine Mitbewohnerin. Ob sie dann mit ihrer Freundin zusammen Mieter spielen will oder einer der beiden die Wohnung mietet und untervermietet, wollen die beiden noch klären. Ich überlege, ob ich den Vermieter jetzt schon fragen soll, ob er grundsätzlich damit einverstanden ist, wenn einfach mal der Mieter in seiner Wohnung wechselt. Da ja noch völlig in den Sternen steht, wann der Wohnungskrieg entschieden ist, entscheide ich mich dagegen. Ich schätze ihn so ein, dass er durchaus ein Interesse daran hat, dass die Wohnung durchgängig weiter vermietet ist und ihm eine Beendigung des Mietverhältnisses durch Wechsel des Hauptmieters sogar eher entgegen käme.

Natürlich habe ich noch keine Koffer gepackt, aber wenn es plötzlich losgehen kann, muss ich zumindest keine Angst haben, doppelte Miete zahlen zu müssen.

Erstmal habe ich keine weiteren Besichtigungstermine. Morgen bin ich nicht in Hamburg und dass ich Freitag frei kriege, weiß ich erst seit den frühen Abendstunden. 

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