Montag, 14. Juni 2010

Vom BMW zur Ente


Mein angekündigter letzter Beitrag war schon längst überfällig. Oft war ich kurz davor, mich daran zu setzen und endlich etwas zu tippen, leider hatte ich dann doch regelmäßig Wichtigeres um die Ohren oder schlichtweg keine Lust.

Meine letzten Tage waren wunschgemäß stressig: Der Mietvertrag wurde unterschrieben und meine Mutter setzte ihren Namenszug unter eine Bürgschaft, die nichtig ist, seit die Kaution auf dem Konto meiner Vermieterin ist.

Mein alter Vermieter ist partout nicht erreichbar. Ich versuche ihn anzurufen, spreche ihm auf den Anrufbeantworter, schicke ihm SMS und schließlich ein Einschreiben, damit ich zumindest formal schon gekündigt habe. Irgendwann meldet er sich dann doch: Das ist kein Problem, wenn meine Mitbewohnerin und eine Freundin von ihr die Wohnung übernehmen, das soll aber alles über seine Frau laufen, die in Hamburg vor Ort ist.

Nachdem der Vertrag unterschrieben ist, spiele ich der nervigen Nachbarin, die sich immer in einer Art und Weise über meine Musik beschwert hat, dass meine Toleranz gleich null war, einen „lustigen Abschiedsstreich“: Ich lasse sie per Anwalt auffordern, ihre Waschmaschine aus dem Flur zu räumen, damit ich Möbel schleppen kann. Meine Rechtsschutz zahlt für den Spaß sogar noch 39 Euro plus Umsatzsteuer.

Die Vorbereitung

Bereits am 21. Mai wird die Wohnung übergeben. Da ich mich noch um Küche und Fußboden kümmern muss und als Anwaltsgehilfe insoweit zwei linke Hände habe, nehme ich mir den Tag frei, um mich nochmals in Ruhe nach den günstigsten Angeboten umzusehen. Pantry brauche ich gebraucht, die Neupreise sind bei mir momentan nicht drin. Dafür macht es fußbodentechnisch keinen Unterschied, ob ich bei eBay mit Speditionskosten oder direkt im Baumarkt kaufe. Letztlich miete ich mir Freitag Nachmittag spontan einen Transporter, mache die Wohnungsübergabe, fahre zum Baumarkt, hole Laminat und bringe das in die Wohnung.

Einen Parkplatz im Schwanenwik zu finden ist unmöglich. Erst parke ich 250 Meter weiter. Nachdem ich zwei Pakete Laminat geschleppt habe, beschließe ich, mich direkt vor die Garageneinfahrt zu stellen in der Hoffnung, dass nicht ausgerechnet jetzt jemand raus muss.

Ich habe noch nicht einmal das erste Paket ausgeladen, als schon einer aus der Garage will. Künstlerpech! „Ach, parken Sie doch einfach in zweiter Reihe! Die Straße ist breit genug, das stört hier keinen, wirklich“, meint der Nachbar, dem ich im Weg stehe. Gesagt, getan. Es funktioniert und in kürzester Zeit habe ich das ganze Laminat in die Wohnung verfrachtet. Da ich den Transporter die ganze Nacht habe, fahre ich noch eine Tour Möbel durch die Gegend. Ein paar Schränkchen, ein paar Decken und einen Sitzsack für ein provisorisches Lager und meinen Kaffeeautomat. Home is where my coffee machinery is – ich bin umgezogen!

Der Umzug

Ich beschließe, den richtigen Umzug am kommenden Freitag durchzuziehen. Samstag wäre mir lieber, aber dann müsste ich den Transporter 24 Stunden mieten, nur über Nacht ist es günstiger. Ich bin ungeduldig, daher packe ich nicht nur in der alten Wohnung schon alles zusammen, sondern fahre jeden Tag 1-2 Touren auf dem Fahrrad in die neue Wohnung. Sieht bestimmt lustig aus – ein Radfahrer mit einer Umzugskiste auf dem Gepäckträger und einem vollgepackten Riesen-Rucksack. Letztlich sind alle meine Klamotten schon fein säuberlich in dem Einbauschrank in der Wand verstaut, noch bevor ich den richtigen Umzug angehe. Mein Fahrrad ist dadurch dermaßen heruntergekommen, dass ich wohl nicht umhin komme, mich nach einem neuen umzusehen, sobald die umzugsinduzierten Mehrkosten wieder herunter gehen.

Freitag dann Tag X: Ich schaffe es gerade so, punkt 18:00 Uhr bei der Arbeit rauszukommen, um noch rechtzeitig vor Ladenschluss bei Star Car zu sein. Bei den großen Möbelstücken hilft mir ein Nachbar tragen, den Rest haue ich mehr oder weniger konzeptlos in den Wagen. Ich muss zwei Mal fahren, dafür ist der Vito doch zu klein. Letztlich komme ich erst um kurz nach 22:00 Uhr das erste Mal im Schwanenwik an. Wie ich es in nicht einmal 30 Minuten schaffe, den ganzen Kram nach oben zu bringen, ohne das unglaublich ruhige Haus aufzuwecken, weiß ich selber nicht. Wieder im Billhorner Mühlenweg angekommen, muss ich allerdings erst einmal Küchensachen packen, bevor es überhaupt weiter gehen kann. Letztlich bin ich erst um 2:30 Uhr fertig umgezogen.

Keine zwei Tage später ist die letzte Kiste ausgepackt. Da ich immer noch keine Küche habe, ist es trotzdem noch sehr provisorisch. Hängeschränke habe ich genauso wenig wie einen Bohrer, sodass ich in die Küche auch nicht wirklich etwas einbauen kann. Die Pantry bei eBay, auf die ich spekuliert habe, geht doch für über 200 Euro raus, sodass ich beschließe, alles in Einzelteilen zusammen zu kaufen. Backofen 10 Euro, Kochplatten 20 Euro, Kühlschrank 25 Euro. Bloß eine Spüle finde ich nicht ohne Weiteres bei eBay. Da interveniert meine Mutter: In ihrem Heizungskeller stehe so eine Art Spüle, sie wolle sich das mal angucken. Es ist eine komplette Pantry, die laut einer Nachbarin seit über 11 Jahren dort steht. Die Elektronik ist unbrauchbar gemacht, das Teil ist ziemlich gammelig, aber es hat eine Spüle mit Armaturen. Sie kommt mit dem Auto vorbei und bringt die Pantry mit, gemeinsam holen wir dann den Kühlschrank.

Im Keller der alten Wohnung muss ich noch die Kartons im Keller entsorgen. Ich reiße sie alle so klein wie möglich und packe sie in Müllbeutel. Eine sehr müßige Tätigkeit, indes gut für die Unterarmmuskulatur. Ich komme wieder nach Hause in den Schwanenwik, schließe mein Fahrrad an – zum letzten Mal. Als ich später noch einkaufen will, geht das Schloss nicht mehr auf, irgendwas hat sich da verhakt. Es ist ein dickes Sicherheitsschloss und das Fahrrad ist eh durch, sodass ich beschließe, mir doch sofort ein Neues zu kaufen. Ich finde auch prompt bei eBay eins für gerade mal 25 Euro, das ich ein paar Tage später in Berne abhole.

Seit einem halben Monat wohne ich jetzt in der „Ente“. Ente deshalb, weil es im Schwanenwik keine Schwäne gibt, sondern nur Enten, sodass der Straßenname irreführend ist. Letztlich ist bereits das eine Ente und in Anbetracht, dass ich meine alte Anschrift, den Billhorner Mühlenweg, mit BMW abgekürzt habe, ist es letztlich auch ein Umzug vom BMW in die Ente: Kleiner zwar und mit weniger Ausstattung, aber gleichwohl stilvoller.

Das Haus ist sehr ruhig, einzig aus dem benachbarten Garten dringt öfters mal Kinderlärm durch die Nachbarschaft, aber Kinder dürfen ja laut sein. Da alle Wohnungen 1-Zimmer-Apartments sind, setzen sich meine Nachbarn aus jungen Leuten, wenig älter als ich, und relativ alten Leuten zusammen. Singles halt, noch keine Familie oder keine Familie und zu jung für’s Altersheim, alles dazwischen wohnt woanders. Es ist sehr hellhörig, sodass ich gerade noch eine vernünftige Isolierung zusammenkaufe und improvisiere, aber bisher hat sich auch noch niemand über meine Musik beschwert o. ä.

Das war’s! Wohnung gesucht, Wohnung gefunden. Möge es Euch ein Beispiel sein!

Was die Zukunft bringt

Im August oder September startet mein nächster Blogg: Jeder Hamburger kennt das Vergnüngen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu müssen. Der Bus kommt zu spät, die U-Bahn fällt wegen einer Weichenstörung aus und zwischen Jungfernstieg und Reeperbahn gibt’s eine Umleitung über Halstenbek.

Hat man dann einen Stehplatz ergattert, kann man von Glück reden, wenn der dicke Typ mit den fettigen Haaren direkt neben einem nur nach Schweiß riecht und einem nicht noch etwas verkaufen will.

Um es kurz zu machen: Es gibt schon einen Grund, warum ich überall mit dem Fahrrad hin fahre! Manchmal gibt es allerdings Situationen, in denen ich auf den HVV angewiesen bin: Das Fahrrad ist kaputt, ich muss eine besonders weite Strecke zurücklegen, bin mit anderen Personen unterwegs o. ä.

Durch mein angeschlossenes Fahrrad hatte ich das Vergnügen wieder einmal zu oft. U-Bahn Borgweg standen die uniformierten Rächer, jetzt darf ich wieder 40 Euro berappen. Nachdem die mir letztes Mal mitgeteilt hatten, eine weitere Kleingeldsendung (40 Euro in 1 und 2 Cent-Münzen, 8 kg Paket) würde nicht akzeptiert, habe ich mir für diesmal überlegt, in einzelnen Beträgen zu überweisen, die zufällig in der gleichen Höhe ausfallen wie die Preise für verschiedene Fahrscheine...

Das alles und was der Hamburger Verkehrsverband noch so Lustiges bereit hält, gibt’s demnächst bei Ihrem Zigarettenhändler und auf www.hafaufau.de

Freitag, 7. Mai 2010

Das Ende vom Lied

Der Zeitplan ist eng: 16:15 Uhr verlasse ich das Büro, um 16:30 Uhr bei der Besichtigung zu sein, spätestens 17:00 Uhr muss ich wieder im Büro sein, weil meine Azubine dann Feierabend machen will. Die Wohnung sieht fast so aus wie die andere, ist drei Quadratmeter kleiner, hat dafür aber einen in der Wand eingebauten Kleiderschrank. Die Verwalterin macht einen ganz sympathischen Eindruck, sodass ich beschließe, sie einfach mal anzusprechen, wie viel man denn verdienen muss, um die Wohnung überhaupt kriegen zu können. "Naja, das dreifache der Warmmiete wäre schon erforderlich, also so 1200 - 1300 Euro." - "Mist, dann muss ich passen, ich krieg nur 1100." Es ging auch über eine Bürgschaft, sagt sie. Ich habe den Eindruck, dass sie mich nur nicht traurig machen will, Hoffnungen mache ich mir eigentlich keine. Trotzdem nehme ich natürlich die Selbstauskunft mit.

Ohne meine Auszubildende sind Überstunden vorprogrammiert, kurz vor sieben schaffe ich es endlich, das Büro zu verlassen. Schnell werfe ich noch die Post in den nächstbesten Postkasten und mache mich auf den Heimweg.

Zu Hause dann der Schock: Offenbar habe ich nicht nur die Post, sondern auch die Selbstauskunft und das Exposé auf den Postweg gebracht. Ich überlege, ob ich es gleich lassen soll - allein die bestimmt zehn anderen Interessenten machen es unwahrscheinlich, dass ich diese Wohnung kriege. Ich entschließe mich dann aber, die Selbstauskunft von der letzten Besichtigung im Schwanenwik einfach entsprechend zu modifizieren. Da das Formular geringfügig anders aussieht, weise ich in meinem Anschreiben darauf hin:


"Nachdem ich peinlicherweise die mir überreichte Selbstauskunft versehentlich zusammen mit dem gestrigen Postausgang meines Arbeitgebers in den nächstbesten Briefkasten der Deutschen Post geworfen habe, musste ich das beigefügte Formular aus den Unterlagen für die neulich besichtigte Wohnung gleichsam „zurechtfälschen“, um Ihnen die Auskunft überhaupt übermitteln zu können. Ich hoffe insoweit auf Ihr Verständnis für meine feierabendstressinduzierte Unachtsamkeit."

Gegen 9:30 Uhr schicke ich das ganze raus, als mögliche Bürgin gebe ich meine Mutter an. Übrigens typisch MS Word: Während einfache Vokabeln wie "mandatiert" unterkringelt werden, übersteht mein Neologismus "feierabendstressinduziert" die Rechtschreibprüfung ohne Probleme.

Vier Stunden später ruft mich meine Auszubildende ans Telefon: "Eine Frau von Robert Vogel oder so." Die Verwalterin teilt mir mit, diesmal sei das Los auf mich gefallen, "aller guten Dinge sind zwei." Sie hat noch ein paar kleine Rückfragen und kündigt an, auf die angebotene Bürgschaft zurückkommen zu wollen. Die Unterlagen gingen heute, spätestens Montag in die Post. Als Mietbeginn würde der 01.06. angegeben, wenn der Vertrag und die Bürgschaft vorher wieder da seien, wäre natürlich auch eine frühere Übergabe möglich.
Ich kann mein Glück nicht fassen. Geil! Schwanenwik, beste Lage an der Alster. 3 km zur Arbeit, 2 km zum Hauptbahnhof, 1 km zur Langen Reihe. Vor Dopaminausschüttung vergesse ich bei der Rechnung, die ich zum Zeitpunkt des Anrufs gerade erstelle, glatt die Kopierkosten und die Auslagen für die Akteneinsicht, sodass ich beschließe, erst einmal eine rauchen zu gehen und meine Eltern zu informieren.

Ladies and Gentlemen, wenn jetzt nicht noch etwas dazwischen kommt, ist das mein vorletzter Eintrag für diesen Blogg.  Ich werde natürlich nochmals mitteilen, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Jetzt muss ich erstmal feiern!

Dienstag, 4. Mai 2010

Aussicht auf schöne Aussicht?

Planlos in Winterhude

Montag Mittag auf der Arbeit ruft mich meine Mutter an: Sie habe mit der Maklerin telefoniert, die auch meinem Bruder eine Wohnung vermittelt hat und die habe gerade noch eine in Winterhude. Heute um 18:00 Uhr sei Besichtigung, ich könne erforderlichenfalls auch ein paar Minuten später kommen. Das Angebot lasse ich mir natürlich nicht entgehen. 

Schon auf der Karte sehe ich, dass die Wohnung mit 3,4 km Entfernung eigentlich etwas außerhalb meines Radius' liegt, dafür an einer ganz schönen Ecke am Stadtpark. Ich probiere meine OneTouch-Taxi-App für's iPhone aus. Nachdem sich die Anzeige, mein Taxi sei in vier Minuten da, zwei Minuten lang nicht ändert, rufe ich doch noch ein normales Taxi. Letztlich kommt das OneTouch-Taxi doch und ich sage das andere wieder ab. Ich komme geringfügig zu spät, aber das war ja angekündigt.

Die 2-Zimmer-Wohnung im ersten Stock, über die ich bis dahin noch gar nichts weiß, ist ganz hübsch, hat aber einen eklatanten Nachteil: Kaum größer als meine jetzige ist sie doch so geschnitten, dass Untervermietung schwierig wird. Mein Zimmer wäre in jedem Fall kleiner als mein jetziges. Alleine wäre die Wohnung toll, allerdings mit 600 Euro warm etwas zu teuer. Ich frage die Maklerin, wie es mit Untervermietung ist. Sie teilt mit, ich solle mir da keine Hoffnungen machen, nach einem Blick auf meine Gehaltsangabe in der Selbstauskunft lässt sie ziemlich deutlich durchblicken, dass meine Chancen äußerst gering seien.

Frustriert ziehe ich von dannen um festzustellen, dass die Wohnung zu allem Überfluss auch noch am Arsch der Heide liegt: Ohne Navi würde ich wohl immer noch die U-Bahn-Station Lattenkamp suchen, nach einer Viertelstunde bin ich endlich da.


Deja Vu in Uhlenhorst

Ich traue meinen Augen nicht, als ich Dienstag kurz vor der Arbeit die Emails mit Wohnungsanzeigen überfliege: Schwanenwik, 2. OG, vermietet von Robert Vogel GmbH - sollte das etwa die Wohnung sein, die ich schon angeguckt und nicht gekriegt habe?

Es ist eine andere, allerdings im gleichen Haus. Auch nach hinten raus, sogar noch 30 Euro günstiger, dafür muss der Mieter Fußboden selbst verlegen und Pantry selber einbauen. Das ist ärgerlich, weil kostspielig, aber bei der Lage und dem Preis doch noch zu verschmerzen.

Ich rufe gleich am Vormittag dort an. Da ich die andere Wohnung nicht gekriegt habe, frage ich vorsichtig, ob das an mir bzw. meinen Einkommensverhältnissen gelegen hat oder nur jemand anders schlichtweg bessere Karten hatte. Die Verwalterin will sich an nichts erinnern können, es seien doch immer so viele Vermietungen, die Daten habe sie jetzt auch nicht mehr griffbereit. Am Donnerstag Nachmittag soll eine Besichtigung stattfinden. Dafür muss ich mir zwar extra frei nehmen, aber so weit ist es ja nicht.

Dienstag, 27. April 2010

Another Brick In The Wall


Montag Morgen bekomme ich eine Email: Ich möge doch bitte noch kurzfristig die reguläre Selbstauskunft ausgefüllt zurückmailen. Die Selbstauskunft bei der Robert Vogel GmbH & Co. KG geht tatsächlich noch über das hinaus, was bisherige Vermieter von mir wissen wollten: Die Telefonnummer meines derzeitigen Vermieters (mit Einverständniserklärung für Kontaktaufnahme), Einverständnis für die Schufa-Auskunft, außerdem gibt es ein Feld „maximale Miete“. Ich trage mal 500 Euro ein, das ist schließlich mein Limit.

Ich schicke alles zügig zurück und hoffe und bete, dass ich die Wohnung nun auch kriege. Diese Lage werde ich nicht wieder finden und dass es nur zwei weitere Interessenten gibt, dürfte auch eher die Ausnahme bleiben. Obgleich die Wohnung durch den fehlenden Keller und die kleine Küche nicht perfekt ist, so ist sie doch gut genug für mich und alles andere wird durch die Lage kompensiert. Ich überlege schon, mir luxuriöse Visitenkarten mit goldenem Prägedruck fertigen zu lassen, um zu suggerieren, meine Einkommensverhältnisse würden zu der Anschrift passen.

Doch wieder einmal habe ich kein Glück: Bereits Dienstag Vormittag kommt eine lakonische Email, man habe sich anderweitig entschieden. Ja scheiße! Ausgerechnet bei dieser Wohnung, auf die ich mich schon so gefreut habe!

Heute gucke ich keine Wohnungsanzeigen. Kein Bock. Mir reicht’s.

Ich melde mich in ein paar Tagen, wenn ich darüber hinweg gekommen bin.

Freitag, 23. April 2010

Wir steigern die Ansprüche

Montag habe ich die erwartete Absage für die Wohnung in Rotherbaum im Email-Postfach: "Leider muss ich Ihnen die Wohnung absagen. Sorry!" Immerhin eine Absage, aber offenbar verhält sich die Maklerin immer so lakonisch.

Eigentlich dachte ich, nach der Villa in Harvestehude könnte es nur noch schlechter werden, aber weit gefehlt: Mittwoch finde ich eine Wohnung im Schwanenwik, Uhlenhorst, direkt an der Alster. Als Nachteile in der Anzeige fallen mir nur auf, dass die Wohnung nach hinten raus geht (also kein Alsterblick) und es keinen Dachboden oder Keller gibt. Trotzdem ist eine Warmmiete von knapp 450 Euro für ein knapp 30 Quadratmeter großes Zimmer in bester Lage in Uhlenhorst immer noch ein Schnäppchen, zumal sie courtagefrei von einer Verwaltungsgesellschaft angeboten wird.

Auf meinen Anruf wird mir mitgeteilt, ich solle mich direkt mit dem Mieter in Verbindung setzen. Leider ist dieser weder am Mittwoch noch am Donnerstag erreichbar. Ich entschließe mich, ihm eine SMS zu schreiben und um Rückruf zu bitten. Das funktioniert auch prompt.

Ich bin der letzte Besichtiger, der sich die Wohnung anguckt. Schon der Weg von der Arbeit dahin ist ein Traum: Ich kann fast durchgängig an der Alster entlang fahren, vorbei an schicken Villen in Winterhude und Uhlenhorst. Die Wohnung liegt, wie meine jetzige, direkt neben einem Hotel. Das Haus selber sieht sehr modern aus mit riesigen Glasfassaden. Da der Mieter einen Termin hat, macht seine Schwester die Besichtigung.

Die Wohnung ist sehr schön, einziges Manko neben dem fehlenden Keller ist die äußerst kleine Küche. Obgleich die Wohnung nach hinten heraus geht, ist die Aussicht prima: Eine große Wiese - das Dach der Tiefgarage, wie ich erfahre - und jede Menge Bäume, hinter denen ein paar Villen erkennbar sind. Ich erfahre, dass der Noch-Mieter sogar noch drei Jahre jünger als ich ist und es bisher nur zwei weitere Interessenten gibt. Geil! Da gibt es zumindest theoretisch noch gute Chancen für mich.

Als ich nach Hause komme, stelle ich fest, dass die Anzeige weg ist. Gleichwohl schreibe ich der Ansprechpartnerin von der Verwaltung sofort eine Email und teile mit, dass ich diese Wohnung unbedingt haben will. Da ich nicht weiß, was für Informationen benötigt werden, schreibe ich präventiv alles auf, was ich in letzter Zeit in Selbstauskünften so angeben musste.

Laut der Schwester des Mieters soll im Laufe des Wochenendes die Entscheidung gefällt werden und Anfang nächster Woche der neue Mieter feststehen. Ihr dürft Daumen drücken.

Sonntag, 11. April 2010

Keine Zusage ist auch eine Absage

Weder auf meine letzte WG-Anfrage noch auf meine Besichtigung in Harvestehude habe ich etwas gehört. Für die Wohnung in der Brahmsallee gibt es, obwohl bis Freitag entschieden sein sollte, nun einen weiteren Besichtigungstermin am Montag. Offenbar waren wohl alle Erstbesichtiger nicht gut genug.

Am Samstag bin ich bei einer Besichtigung in Rotherbaum an der Grenze zu Harvestehude. Die Lage ist optimal - 750 Meter bis zu meiner Arbeitsstelle, Supermarkt, Bank und U-Bahn-Hallerstraße direkt vor der Haustür. Dafür liegt die Wohnung im Dachgeschoss eines siebenstöckigen 70er-Jahre-Komplexes. Die Wohnung hat nur ein Zimmer, aber zumindest noch eine kleine abgetrennte Küche, ein Vollbad und einen kleinen Balkon. Sie ist sehr hell und von innen sieht es ganz gemütlich aus. Mit 469 Euro warm durchaus im Budget, auch die mit mir etwa gleichaltrige Noch-Mieterin weiß nichts Negatives zu berichten. Die Maklerin verliert kein Wort mehr als nötig, sodass die Besichtigung nicht lange dauert.

Erst nach der Besichtigung entdecke ich in der Selbstauskunft die obligatorische Angabe, wer eine selbstschuldnerische Bürgschaft übernimmt. Ich lasse diese Angabe frei und erläutere, dass ich, falls die Zahlung einer Barkaution nicht möglich sein sollte, zunächst mit meiner Bank verhandeln würde, ob diese eine Bürgschaft übernehmen könnte. Viele Hoffnungen mache ich mir bei der Wohnung ohnehin nicht, denn obgleich "nur" 15 Interessenten vor Ort waren, hat sich die Maklerin gar nicht erst die Mühe gemacht, sich irgendwelche Namen zu merken und wird damit wohl nur nach irgendwelchen Kriterien in der Selbstauskunft - mit denen ich nicht aufgrund meines Alters, Gehalts und Wohnorts nicht unbedingt punkten kann - auswählen.

Mittwoch, 7. April 2010

Kein Bock auf Yuppies

Die letzten Tage war es sehr ruhig. Ich habe eine Anfrage abgeschickt für ein WG-Zimmer in Winterhude mit einer ganz netten Beschreibung und prompt eine Antwort erhalten, ich könne ab Mittwoch für eine Besichtigung vorbeikommen. Leider bleibt meine Antwort bisher ohne Reaktion, sodass ich heute noch einmal eine Email losschicke. Ohne Nummer kann ich auch nicht anrufen, sodass ich nur abwarten kann, ob da noch was kommt.

Rothenburgsort + 1,10 €/qm = Harvestehude

Einen ruhigen Moment im Büro abpassend lege ich eine Rauchpause ein und frage bei der Gelegenheit, Apfeltelefon sei Dank, meine Emails ab. 6 neue Immobilien, sehr schön, jedoch zu viele, um die Anzeigen während einer Zigarettenlänge alle durchzugucken. So lese ich nur die Überschriften: Mi. 7.4. Besichtigung 18:30 Uhr heißt es im vorletzten Angebot in der Email.

Das Angebot klingt traumhaft: Eine 2-Zimmer-Wohnung, 75 Quadratmeter, in einer Harvestehuder Jungstilvilla in der Brahmsallee, direkt am Innocentiapark. Noch traumhafter – und damit fragwürdig – klingt die Miete: 595 € kalt, 760 € warm. Das einzige, das mir in der Anzeige negativ auffällt, ist, dass die Wohnung parterre liegt.

Klar muss da was faul sein! Dass bei man in Harvestehude eine Wohnung für gerade mal 1,10 €/qm mehr kriegen kann als bei mir im Ghetto, ist mehr als zweifelhaft. Ich erzähle einem meiner Chefs, der für sicherlich deutlich teurere Quadratmeterpreisen in Harvestehude wohnt, dass ich mir nachher eine Wohnung in Harvestehude mit dreistelliger Warmmiete angucken werde. „Ist doch in Ordnung... für zwölf Quadratmeter...“ Mit dem anwaltlichen Rat, dem Gaul genau auf den Zahn zu fühlen, verlasse ich die Kanzlei gerade noch rechtzeitig.

Eine spontane Besichtigung

Dass „direkt am Innocentiapark“ gelinde gesagt leicht untertrieben ist, merke ich schon auf dem Weg durch die Brahmsallee – es gibt kaum ein Haus in dieser Straße, das vom Innocentiapark weiter entfernt sein könnte. „Vor der Haustür“ meint wohl eher, dass es sich nicht lohnt, mit dem Auto dahin zu fahren. An der Rückseite der Grindelhochhäuser vorbei gelange ich an die zwischen den Hochhäusern gleichsam versteckt gelegene Jungstilvilla, vor der schon die üblichen 30 Interessenten Schlange stehen.

Die Maklerin kommt wie üblich ein paar Minuten zu spät, dafür ist sie umso besser gelaunt und geht mit der Aufforderung, ihr zu folgen, schnurstracks zu einem kleinen Nebeneingang der Villa. Irgendwie kommt von den Interessenten niemand in Bewegung, während die Maklerin schon in die Wohnung vorgepest ist. Obgleich bestimmt 20 Leute vor mir stehen, bin ich letztlich der erste, der nach ihr in die Wohnung kommt.

Der Haken ist gleich augenscheinlich: Tiefparterre, also – nach vorne heraus – noch eine halbe Etage unter dem Erdgeschoss. Letztlich ist neben dem Flur nur eins der Zimmer betroffen und selbst dort ist es dank eines großen Fensters noch hell genug. Die Räume sind nicht so hoch wie, vermutlich, diejenigen in den höheren Stockwerken. Ich versuche, auf Zehenspitzen mit der Hand gegen die Decke zu kommen. Es gelingt gerade soeben nicht. Zuhause komme ich gerade soeben an. Immerhin etwas.

Je länger ich mich umsehe, desto mehr gefällt mir die Wohnung sogar richtig gut. Eine Art kleiner Garten hinter dem Haus, eine große Küche und selbst das Duschbad hat noch ein großes Fenster. Das Zimmer, das nach hinten raus geht, ist durch die großen Fenster sehr hell.

Die Wohnung ist noch vermietet und auch erst ab Juni frei. Auch was die Familie erzählt, die zu dritt in der kleinen Wohnung zu leben scheint, deutet nicht auf einen eklatanten Grund für diesen Mietpreis hin – allein Tiefparterre kann es ja nun nicht sein.

Ich spreche die Maklerin direkt darauf an. Sie gibt ziemlich deutlich zu verstehen, dass der Vermieter keine Lust hat, zu überteuerten Preisen an neureiche Yuppies zu vermieten, die in einem halben Jahr wieder ausziehen müssen, weil sich mit nachmittäglichem öffentlichen Latte-Macchiato-Schlürfen kein Lebensunterhalt verdienen lässt. „Ein solventer Angestellter ist ein langjähriger Mieter, das wird höheren Mieteinnahmen gegenüber bevorzugt.“

Die Maklerin ist total nett. Als ich meine Arbeitsstelle anspreche, erkundigt sie sich, in welchen Bereichen die Kanzlei tätig ist. Sie fragt die Leute, die sich die Selbstauskunft geben lassen, nach den Namen und macht sich jeweils Notizen. Wie bei der Dreamhouse soll das Formular erst am nächsten Tag via Fax oder Mail wieder übersandt werden. Das werde ich wohl tun. Freitag gibt’s dann die Entscheidung.